Swing-Kids verzauberten in Oberuzwil zu Sommerferienende
Sommerserenade in Oberuzwil mit Dai Kimoto und seinen Swing-Kids
Laut Frits Gerber, Präsident der Kulturkommission der Gemeinde Oberuzwil konnte erst eine von mittlerweile sieben organisierten Abendserenaden zu Sommerferienschluss im Freien genossen werden. Auch während der diesjährigen Veranstaltung goss es wie aus Kübeln. Das störte aber die scharenweise herbeigeströmten Musikbegeisterten im total überfüllten Singsaal der Oberstufe nicht. Dank Dai Kimoto und seinen Swing-Kids ging da die Sonne strahlend auf und verzauberte das Publikum.
Für Personen mit feinerem Gehör empfahlen sich Ohrenpfropfen, weil Bass und Blasinstrumente für den doch eher kleinen Singsaal ein fast zu mächtiges Volumen entwickelten. Aber gegen den Wettergott ist halt selbst die Oberuzwiler Kulturkommission machtlos!
Schöne Tradition
Der Donnerstag vor Sommerferienende markiert so etwas wie einen Schlussstrich unter eine Zeit voller Freiheit, anderer Zeiteinteilung und fehlender Agenda vieler Schulkinder. Danach muss wieder an die Schule oder den Beginn einer Ausbildung gedacht werden. Da passt so ein Familienanlass wie die Sommerserenade – seinerzeit vom ehemaligen, leider so früh verstorbenen Gemeinderat Hansjürg Näf ins Leben gerufen – ausgezeichnet als Abschied von Ungebundenheit und Programmfreiheit. Die Verantwortlichen der Kulturkommission hatten auch dieses Jahr eine Perle ausgesucht und damit unzähligen Menschen ein wunderbares musikalisches Geschenk gemacht. Der von der Gemeinde gespendete Pausen-Apéro fand regen Zuspruch.
Ganz normale Jugendliche?
Da treten sind nun auf die Bühne, grossgewachsene Jugendliche, teilweise erstaunlich kleine Buben und Mädchen und natürlich Dai Kimoto, charismatischer Leiter der Swing-Kids. In grösstem Selbstverständnis steuert jedes seinen Sitz an, nimmt das Instrument in die Hand, hört auf Dai Kimotos „Eins, zwei, drei, vier“ und schon ertönt ein Bandklang, der bei geschlossenen Augen glatt für ein Glenn-Miller-Orchester durchgehen könnte. Schnell wird klar: Da musiziert ein „Angefressener“, aber kein verbissener, elitärer Mann mit hochmusikalischen, begeisterungsfähigen jungen Menschen. Diese Musizierenden sind ganz „normale“, bescheidene, aber dennoch selbstbewusste junge Leute mit Freude am gemeinsamen Musizieren.
Dai Kimoto versteht es, in ihnen das Feuer für Musik im Swing- und Rockstil zu wecken und damit ihren Ehrgeiz herauszufordern. Aus dem Musikunterricht heraus werden schon Acht- oder Neunjährige in die Band aufgenommen. Sie müssen allerdings gewillt sein, zweimal wöchentlich zur Probe zu kommen und an fast jedem Wochenende Auftritte zu bestreiten. Reisen in ferne Länder mit bejubelten Konzertauftritten sind ebenfalls Anreize zum Mitmachen. Im Augenblick sind 13 Kinder und Jugendliche dabei, fünf Buben und 8 Mädchen.











Väterlicher Bandleader
Dai Kimoto braucht keine lauten Worte, keine grossen Gesten und kein Glitzerkostüm, um zu beeindrucken. Ruhig steht er vor den Kindern, führt sie unmerklich durch die schwungvollen Stücke, richtet dazwischen hier ein Mikrofon auf die richtige Höhe, hilft dort bei Schwierigkeiten, spielt selber in der Formation mit und hat in jedem Augenblick alles im Griff. Seine Erläuterungen zu den vorgetragenen Stücken sind von feinem Humor geprägt. Die Vorstellung der einzelnen Künstlerinnen und Künstler zeigt, dass er jedes Kind kennt, ihm Respekt entgegenbringt. Er erzählt auf feinsinnige Art, wie er schon einmal ein Stück für einen faulen Typen komponiert habe „Lazy Danys Boogie“, um den Jungen herauszufordern.
Kimoto findet für alle Bandmitglieder die genau passenden Worte. Dass der junge Bursche mit dem kecken Hut in Japan die Mädchenherzen zum Kochen gebracht habe, glaubt man beispielsweise aufs Wort. Es fällt auf, wie verschieden die Musizierenden sind, unterschiedliche Persönlichkeiten allesamt, aber dem Ganzen uneingeschränkt verpflichtet. So wünscht man sich auch den gesellschaftlichen Umgang miteinander!
Dai Kimoto – aus Japan stammender, hervorragender Virtuose auf verschiedenen Blasinstrumenten – hat für seine herausragende Arbeit als Musikpädagoge und Gründer der Swing-Kids den Kulturpreis des Kantons Thurgau bekommen. Auf der ganzen Welt, wo immer er mit seiner Band hinkommt, wird diese Art Musik begeistert aufgenommen. Kinder von frühestens 8 Jahren bis spätestens 18 dürfen in der Band mitspielen. Nachher muss sich jedes seinen eigenen – musikalischen – Platz suchen.
Repertoire mit angepasstem Schwierigkeitsgrad
Dai Kimoto betonte, dass die Freude an der Musik viel wichtiger sei als ein fehlerfreies Spiel. „Noten sind nicht so wichtig!“ Die Stücke dürften nicht zu schwer sein, damit diese Freude nicht verloren gehe. Das Spiel der Band tönte allerdings so erwachsen und hochmusikalisch, dass diese Aussage eher als Untertreibung zu werten ist. Nicht umsonst begeistert die Band überall dort. wo sie hinkommt. Stücke wie „Pink Panther“ oder Glenn-Miller-Ohrwürmer à la „Pennsylvania 6-5000“ bringen Füsse unweigerlich zum Wippen. Die alten Hits haben bis heute nichts von ihrem zeitlosen Glanz verloren. So können Kinder mit Eltern oder auch Grosseltern die gleiche Musik geniessen, ohne dass es einer Generation dabei „abstellen“ würde.
Auch rockige Stücke gehören zum Repertoire. „Rock around the Clock“ oder „Sunday Morning“ sind noch heute ein Begriff. Dass die Kinder und Jugendlichen auf ihrem persönlichen Instrument schon versierte Virtuosen sind, konnte jedes bei unzähligen Soloauftritten an einem der beiden Solo-Mikrofone zeigen. Da sah – und hörte! – man beispielsweise den zehnjährigen Sam in Profipose, mit geschlossenen Augen und beeindruckendem musikalischem Ausdruck in sein Saxofon blasen. Einfach nur beglückend!
Jedes Mitglied solistisch herausragend
Was so ein Swing-Kids-Konzert interessant, begeisternd und unvergesslich macht, ist neben der hinreissenden Musik die stete Abwechslung in der Gestaltung der Stücke. Erstens gibt es keinen festen Programmablauf, so dass es auch einmal vorkommen kann, dass der Bandleader einem Kind helfen muss, die richtigen Noten zu suchen. Das macht die Darbietungen so herrlich unkompliziert und leichtfüssig. In beinahe jedem Stück gibt es immer wieder solistische Einlagen. Da steht ein Mädchen mit Posaune auf, geht ganz ruhig zu einem der – meist von Kimoto vorher zurechtgerückten – Mikrofone und spielt mit geschlossenen Augen sein Solo, vom Publikum nach jeder noch so kleinsten Einlage dankbar beklatscht. Dort bekommt das Saxofon dank einem seiner Spieler einen ganz besonderen Platz.
Der Klang des Ganzen wird dadurch nie beeinträchtigt, alles geht seinen Gang, wie ein stetig dahinfliessendes Gewässer. Dass ein Zehnjähriger den Bass – zum allerersten Mal allein, wie Kimoto ausdrücklich erwähnte – so selbstvergessen und virtuos spielt, das beeindruckte selbst Musikfachverständige. Im Hintergrund spielte ein Mädchen auf dem umfangreichen Schlagwerk, auch es diente mit seinem abwechslungsreichen Spiel – und dem gelösten, glücklichen Gesichtsausdruck! – dem Gesamtklang. Alles in allem ein rundum geglückter und glücklicher Abend. Zu hoffen bleibt, dass sich diese Leichtigkeit und Beschwingtheit noch ein wenig in den Alltag hineinretten lässt!
Mit „In The Mood“ vom unvergesslichen Glenn Miller und der „Reise ins Glück“ schenkte Dai Kimoto dem Publikum noch zwei Zugaben, auch wenn sie „28 Stücke im Zugaben-Repertoire“ hätten. Doch so lange möchte auch das geneigteste Publikum nicht bleiben – und deshalb kann die Aussage auch nicht auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft werden. Aber die Aussage zeigt, wie unerschöpflich die Titelauswahl der Band ist…