Noch schwebt ein wenig Swing über der Oberuzwiler Kirche

Noch schwebt ein wenig Swing über der Oberuzwiler Kirche

1. Mai 2026 Aus Von Annelies Seelhofer-Brunner

Schuld daran sind die Swing Kids, die seit vielen Jahren das Publikum verzücken. So war es auch am April-Anlass der Donnerstags-Gesellschaft Oberuzwil. Von überall her strömten Menschen in die Grubenmannkirche Oberuzwil. Vor dem Eintritt in die Kirche verteilte Co-Präsident Adrian Müller, welcher alle Mitglieder kennt, auf dem Vorplatz kostenlose Eintrittsbillette für diese. Gäste bezahlen jeweils Fr. 20.00 für die hochklassigen Angebote der Gesellschaft. Schnell war der Kirchenraum bis auf den letzten Platz gefüllt. Da musste offenbar etwas Ausserordentliches geboten werden.

Mit viel Vorfreude begrüsste Thomas Hofstetter das Publikum. Er hatte den Anlass als «Götti» organisiert. Kurz streifte er den Werdegang von Dai Kimoto, des künstlerischen Leiters der Swing Kids. Der Mann hat mit diesem Jugendorchester etwas Einmaliges geschaffen, welches rund um den Globus für Begeisterung sorgt.

Dai Kimoto und seine Swing Kids

Wer diese ausserordentliche Jugendband mit ihrem charismatischen Gründer und Leiter Dai Kimoto schon einmal gehört hat, besucht ihre Konzerte immer wieder. Denn da gibt es keinerlei Routine-Aufführungen, jedes Programm wird von Kimoto intuitiv dargeboten. Dieser verriet, dass über hundert Stücke im Repertoire vorhanden seien, er aber gerne jedes Mal je nach Lust und Laune dieses oder jenes Stück spielen lasse. Und so sah man oft gegen Schluss eines Stückes den Dirigenten etwas hektisch in unzähligen Noten herumblättern, dann irgendein kaum verständliches Wort in die Runde werfen, womit er die jungen Musizierenden ihrerseits zum hastigen Blättern brachte. Erstaunlicherweise spielten dennoch immer alle das gleiche Stück….

Konzert-Tourneen

Zwischen 2005 und 2023 besuchte Dai Kimoto mit seinen Swing Kids 10x sein Herkunftsland Japan. Dort sind die Band-Mitglieder richtige Stars, bejubelt und beklatscht von einer riesigen Fangemeinde. Auch in den USA gab es schon mehrmals Auftritte sowie in Argentinien. Stolz kann man auf der Webseite der Formation lesen: «Seit 2007 sind wir an 111 Festivals aufgetreten.» In der Schweiz gab das Orchester ebenfalls schon unzählige Auftritte. So waren die jungen Leute auch einmal in der Sendung «Aeschbacher». Hier erfährt man einiges direkt aus dem Leben von Dai Kimoto.

Motivation von Dai Kimoto

Auch das Wort «Dirigent» muss etwas relativiert werden. Denn «dirigieren», wie man das üblicherweise kennt, nein, dies sieht man an solchen Konzerten kaum. Der Mann schwenkt seine Arme auf Hüfthöhe, geht ein paar Schritte, noch ein paar Gesten – die jungen Leute wissen dennoch immer genau, was zu tun ist.

Hörte man der Musik mit geschlossenen Augen zu, würde einem nie in den Sinn kommen, dass da «nur» junge Menschen von 10 bis 18 Jahren spielen, man würde eher auf eine erwachsene, höchstklassige Formation tippen. Am Oberuzwiler Konzert waren die Mädchen stark in der Überzahl. Aber das ändert ja von Jahr zu Jahr. Und vermutlich macht genau auch das den Schwung und «Drive» dieser Formation aus.

Freude an der Musik

Dai Kimoto betonte es immer wieder: Die Freude an der Musik ist das Wichtigste. Seine humorvollen Ansagen zauberten jedes Mal ein Schmunzeln auf die Lippen.

Mit sympathischen, motivierenden Worten stellte er die Solistinnen und Solisten ins Rampenlicht. Immer schimmerte da auch noch ein wenig ein Lausbub durch, der das Publikum gerne zum Lachen bringt. Und doch verblüffte der Ernst, mit dem die Kinder und Jugendlichen ihr Instrument spielten. Das Publikum war vom ersten Ton an begeistert. Ob es ihm allerdings irgendjemand glaubte, dass das glänzende Bass-Saxofon, welches zwischen 20’000.00 und 30’000.00 Franken kosten kann, im ALDI für 300.00 Franken zu haben sei? Und nach einem Solo des jungen Spielers noch nachzuschicken: «Nicht schlecht zu dem Preis, nicht?»

Solistische Leistungen

Swing-Musik geht auch sofort in die Füsse, man schwingt innerlich mit. Mit besonderem Stolz und Augenzwinkern wies Kimoto jeweils auf das – oft überraschend junge – Alter der solistisch spielenden Mitglieder hin. Verblüfft nahm man als Zuhörerin wahr, in welch kurzer Zeit diese zu derart ausgereiftem Spiel herangewachsen sind. Es ist gar nicht leicht, dafür genügend Adjektive zu finden. «Hinreissend, schwungvoll, verblüffend, überraschend, wunderbar, zu Tränen rührend, erstklassig» sind nur ein paar, die zu ihren Darbietungen passen.

Während eineinhalb Stunden spielte das Ensemble ohne Pause durch, die Trompetenspielerinnen und die Posaunistin sowie die E-Bass-Spielerin, welche leider abseits des übrigen Klangkörpers stand, konnten sich in diese Zeit nie setzen. Immer wieder gab es jedoch solistische Einsätze, bei welchen die jungen Musizierenden in den Vordergrund traten. Mit dem Klassiker Yakety Sax konnten sich das Saxofonquartett so richtig in Szene setzen. Das meiste wurde praktisch ohne Noten gespielt. Der Schlagzeuger hatte überhaupt keine solchen, spielte ganz nach Intuition und Gefühl, immer dem Ganzen dienend – dem unverwechselbaren «Drive» einer Dixie-Band. Kimoto meinte dazu trocken: «So habe ich weniger Arbeit mit Noten schreiben».

Und das alles ohne Drill

Kimoto betonte immer wieder, wie wichtig die Freude an der Musik sei. Man spürte auch, wie sehr ihm die Jugendlichen vertrauen.

Wie sonst hätte sich die junge Posaunistin an ein Stück wagen können, welches sie in Oberuzwil zum ersten Mal vortrug, wobei ihre Mitmusizierenden genau auf den einen Ton warteten, auf den es offenbar ankam.

Geübt werden muss natürlich schon auch, aber für junge Menschen ist allein schon das Zusammenspiel eine ganz wichtige Erfahrung. Es gibt einen Förderverein, der hilft, die hohen Kosten für Instrumente und Noten zu bestreiten.

Zu Tränen rührender Louis-Armstrong-Song

Als ein positives Gegengewicht zur heutigen Weltlage mit ihren Verwerfungen, Brüchen und kriegerischen Auseinandersetzungen sang Dai Kimoto «What a Wonderful World», eines der berühmtesten Stücke des weltbekannten Trompeters Louis Armstrong.

Seine Frau finde zwar, er könne eigentlich nur gerade dieses Lied singen… Für einen Moment mochte man wieder an das Gute glauben. Ein zehnjähriges Mädchen spielte dazu solistische Trompeteneinsätze, da hätte Armstrong bestimmt seine helle Freude dran gehabt.

Einfach nur Begeisterung

Das Publikum bedankte sich mit tosendem Applaus und einer «Standing Ovation», vom Orchester mit gleich drei Zugaben erwidert. Erst schenkten die Kids ein Elvis-Stück. Doch das war noch nicht genug. So genossen alle das sanfte, früher zu ganz engem Tanzen verleitende Stück «Eine Reise ins Glück», welches durch das Trompetensolo der erst zehnjährigen Ella zu einem weiteren Glücksmoment wurde. Doch Thomas Hofstetter fand, ein Stück dürfe doch bestimmt schon noch sein. Und so lief der junge Schlagzeuger beim allerletzten Stück nochmals zu Höchstform auf und zeigte wirbelnd, schlagend und stampfend sein ganzes Können, unterstützt von allen Mitwirkenden. Diesen Schwung nahm das Publikum mit auf den Heimweg, man sah nur fröhliche Gesichter beim Hinausgehen. 

Hier kann dazu ein Artikel nachgelesen werden.