«Ich habe von eurem Glauben gehört…» – Weltgebetstag 2023 in Oberuzwil

«Ich habe von eurem Glauben gehört…» – Weltgebetstag 2023 in Oberuzwil

8. März 2023 Aus Von Annelies Seelhofer-Brunner

Endlich konnte dieses Jahr wieder eine Weltgebetstagfeier im gewohnten Rahmen durchgeführt werden. Im Saal des Oberuzwiler Kirchgemeindehauses hatte das Vorbereitungsteam voller Optimismus bereits vor der Feier einen ziemlich grossen Stuhlkreis aufgestellt. In der Mitte lud eine «Orchideeninsel» zum Schauen ein. Der Optimismus wurde belohnt, es mussten sogar noch Stühle dazu gestellt werden. Hiess dieser Anlass früher «Weltgebetstag für Frauen», sind heute Frauen und Männer aller christlichen Konfessionen eingeladen. Unter all den Frauen war diesmal allerdings nur ein einziger Mann auszumachen.

Taiwan

Taiwan – die Insel hiess früher «Formosa» – ist nur 180 km vom Riesenreich China entfernt. Das Land hat eine äusserst wechselvolle Geschichte hinter sich. Ursprünglich von einem indigenen Volk bewohnt, kamen bereits im Mittelalter verschiedene Seefahrernationen auf die Insel. Auch von China her strömten Menschen auf das noch äusserst dünn besiedelte Eiland. Japan hatte ebenfalls ein halbes Jahrhundert lang die Hoheit über das Land und mit seiner Kultur das Land bis heute nachhaltig geprägt. Die chinesische Regierung Ihrerseits betrachtet die Insel schon lange als eigenes Gebiet.Im 20. Jahrhundert flohen aus dem Bürgerkrieg in China die Antikommunisten auf die Insel, regierten das dortige Volk darauf diktatorisch, bis 1996 endlich freie Wahlen und demokratische Strukturen möglich wurden. Und doch haben bis heute erst wenige Länder die Eigenständigkeit der Insel anerkannt, zudem droht China immer wieder damit, sich «sein» Land zurückzuholen.

Natur und Landschaft

Auf der Insel gibt es pro Jahr um die 1000 Erdbeben, doch die Bevölkerung hat gelernt, damit umzugehen und weiss, was in einem solchen Fall zu tun ist. Die Hauptstadt Taipeh ist eine moderne Weltstadt. Das Land wird als wunderschön, mit herrlichen Bambuswäldern und üppiger Vegetation beschrieben. Leider streikte die Technik, sodass die vorbereitete – und zuhause problemlos abspielbare – Power-Point-Präsentation nicht starten konnte. Hier gibt es nun einen kleinen Einblick in die Landschaft Taiwans Taiwan von oben

Dazu eine kurze Vorstellung des Lebens in Taipei Leben in Taipei: Wo es draußen am schönsten ist

Religiöse Vielfalt

Auf der Insel gilt heute Religionsfreiheit. Die christliche Gemeinschaft ist dabei eine absolute Minderheit. 60 % der indigenen Bevölkerung gehören jedoch zu dieser Religion. In Taiwan sind die meisten Frauen berufstätig. Heute ist Frauenbildung ein grosses Anliegen gerade in christlichen Frauengemeinschaften. Die Wirtschaft ist einerseits hochmodern, IT-Firmen haben Weltruf. Die Firmen produzieren beispielsweise Mikrochips für zwei Drittel der Welt oder Halbleiter, die in die ganze Welt exportiert werden. Andrerseits ist die Landwirtschaft in einer prekären Situation, hat kaum Hilfsmittel – weder Traktoren oder anderes Gerät – zur Bodenbearbeitung und bietet auch deshalb jungen Menschen keine Perspektive. Das Image der Bauern ist schlecht, obwohl sie für die Produktion von Lebensmitteln äusserst wichtig sind. Die meisten sind denn auch bereits im Pensionsalter.

Liturgie aus Taiwan

Diesmal bereiteten Frauen aus Taiwan die Liturgie für den Weltgebetstag vor. Es gibt jedes Jahr ein umfangreiches Vorbereitungsheft mit Angaben zum jeweils betreffenden Land und Vorschläge zu einem feierlichen Ablauf. Die Frauen aus Taiwan haben «ihre» Feier unter das Stichwort «Ich habe von eurem Glauben gehört» gestellt. Seelsorgerin Ellen Schout Grünenfelder ermunterte die Feierrunde zu Beginn, einander mit den Worten «Pîng an» – Friede sei mit dir!» – zu begrüssen. Dieser Gruss wird in Taiwan auch im Alltag oft ausgesprochen.

Ein «Schuldbekenntnis» zeigte auf, welche Probleme die Menschen in Taiwan – und vermutlich in fast allen Ländern – umtreiben. Umweltverschmutzung, Menschenrechte, Missachtung der Würde jeglicher Lebewesen und deren Bedürfnisse sind dazu einige Stichworte. In fünf Ermutigungs-Briefen von Frauen an eine andere Frau wurden diese Themen aufgegriffen. Dabei wurde immer wieder der Bezug zu Gottes Schöpfung und die Verbindung zwischen Himmel und Erde betont. Auch die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau wurde angesprochen.

Chinesische Schriftzeichen – eine Welt für sich

Das Schriftzeichen für «Hören» wird durch sechs Teilbereiche symbolisiert. Dazu gehören die Begriffe «Ohr», «König», «Kreuz», «Gefäss», «Eins» und «Herz». Zu jedem dieser Stichworte gab es Fragen an die Runde. Die Zusammenfassung aller Begriffe gipfelte in einer Art «Hausaufgabe», der Aufforderung, sich von Gott als Gefäss brauchen zu lassen, um zu einem Segen für seine Mitmenschen zu werden.

Das Gebet «Vater unser» / «Unser Vater» und die Fürbitten verbanden die Feierrunde mit andern Christen überall auf der Welt trotz unterschiedlichster Sprachen. Wer erfahren möchte, wie das Vaterunser auf Taiwanesisch tönt, kann das hier nachhören. Vaterunser auf Taiwanesisch

Passende Musik dazu

Die Musikerin Oxana Peter-Fedjura verband die einzelnen liturgischen Elemente mit ihrem mediativen Spiel am Flügel auf berührende Weise. Auch die – begleiteten – Lieder verknüpften Wort und persönliche Gefühle auf eindrückliche Art. Vor allem das Schlusslied «Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen und wird vom Dunkeln überweht…», seit Jahren DAS Weltgebetstaglied, sprach diese weltumspannende Verbundenheit an.

Was haben diese taiwanesischen Frauen uns zu sagen?

In Oberuzwil durften die Mitfeiernden eine wichtige Botschaft mit in das Wochenende mitnehmen. Um eine Situation zu verändern, braucht es kluge Köpfe und willige Hände. Die Frauen aus Taiwan zeigten mit ihren Gedanken auf, was ein tiefer Glaube und ein Zusammenarbeiten als Gesellschaft bewirken kann. Sie kreieren keine abgehobenen Ziele, sondern entwerfen hilfreiche Projekte, die allen, vor allem aber benachteiligten Menschen zugutekommen. Die in allen mitfeiernden Kirchgemeinden zusammengelegte Kollekte wurde – wie in Taiwan üblich – in roten Couverts entgegengenommen. Sie ist für verschiedene Projekte in diesem Inselstaat bestimmt. Nähere Informationen dazu gibt es hier. Projekte 2023 Taiwan – Weltgebetstag

Geselliges

Nach dem feierlichen Teil des Abends wurden die Gäste mit allerlei Köstlichkeiten verwöhnt. Besonderen Anklang fand der feine Oolong-Tee mit Pfirsich-Geschmack, eine dem Gaumen schmeichelnde Mischung, der man gesundheitsfördernde Wirkung nachsagt. Dazu wurde über das Gehörte gesprochen oder Persönliches ausgetauscht. Die Insel Taiwan hat mit diesem Abend bei den Anwesenden bestimmt viel Interesse geweckt.

Vorbereitungsteam

Diesmal bestand das Vorbereitungsteam aus Ellen Schout Grünenfelder, Seelsorgeteam der Kirchgemeinde Oberuzwil-Jonschwil; Petra Forster-Engelberger und Doris Müller, den beiden Frauen aus dem Sekretariat; sowie Renate Bayer und Elena Scherrer, die gemeinsam die Feier auf abwechslungsreiche, interessante Art gestalteten.

Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Oberuzwil-Jonschwil

Katholische Kirche Uzwil & Umgebung