«Sein und Schein» in der «Galerie am Gleis» in Uzwil

«Sein und Schein» in der «Galerie am Gleis» in Uzwil

28. Januar 2026 Aus Von Annelies Seelhofer-Brunner

Der Titel der Ausstellung passt wirklich. Da ist manches «Schein», allerdings im positiven Sinne, so die Lichter in den Schwemmholzleuchten von Roger Rotenbacher, aber auch die Goldflitter oder Silberstreifen auf den Ikonen von Marlies Gemperle Berger. «Sein» ist dagegen das Material, seien dies Pigmente aus der Natur für die Bilder von Marlies Gemperle oder bereits fast verrottetes Holz, welches unter den geschickten Händen von Roger Rothenbacher zu neuem Leben erweckt wird.

Vernissage

An der Vernissage begrüsste Zita Oklé aus dem Team Galerie am Gleis die zahlreichen Besucherinnen und Besucher. Zita Oklé ist für die Finanzen und die Medien verantwortlich. Sie hat – zusammen mit Dindo Radoncic – die Bilder aufgehängt und die Skulpturen dazwischen wie selbstverständlich platziert. Sie hiess denn auch die beiden Ausstellenden herzlich willkommen, dankte zudem allen Gönnerinnen und Gönnern.

Die «Galerie am Gleis» ist ein Verein, dem man jederzeit beitreten kann. Alle Interessierten sind willkommen. Auch die Gemeinden Uzwil und Oberuzwil unterstützen solche Ausstellungen.

Ruhige Ausstellung, von Laudator Thomas Gemperle ins richtige «Licht» gesetzt

Schon beim Betreten der Galerie fielen die ruhigen Bilder angenehm auf. Keine schreienden Farben, keine blinkenden Lichter – einfach wohltuender Schaugenuss. Man kann sich gut vorstellen, dass man die Ausstellung mehr als einmal besuchen mag, weil immer wieder neue Details auffallen. Laudator Thomas Gemperle aus St.Gallen – die beiden Ausstellenden sind Paten seiner Tochter – wies auf Gemeinsamkeiten der beiden Kunstschaffenden hin. Kunst verbindet bei Rothenbacher Anfang und Ende, denn sogenannt «totes Holz» bekommt neues Leben. Dabei lässt sich Rothenbacher von den Fundstücken inspirieren.

Thomas Gemperle wies darauf hin, dass sich laut seiner Tante Marlies in den Ikonen Emotionen verbergen würden. Holz speichert diese, durch die Verbindung mit den kostbaren Farben wird das verstärkt sicht- und spürbar. Edles Material aus der Erde – Gold und Silber – stellt zugleich einen Bezug zwischen der Urzeit und heutiger Welt her.

Musikalisches Element

Der Musiker Thomas Fele bereicherte die Ausstellung mit seinen Saxofonklängen mit einer weiteren  sinnlichen Erfahrung. Der Musiker ist Leiter der Wiler «Bläserkids», einer energiegeladenen, hochmusikalischen Jugendband. Er unterrichtet zudem an der Musikschule Oberuzwil-Jonschwil Saxofon und Klarinette. Seine in der Galerie dargebotenen Stücke passten sehr gut zur ruhigen, erdverbundenen Ausstellung. Dabei integrierte er geschickt orchestrale Untermalungen mittels eines Ghettoblasters.

Künstlerische Entwicklung von Marlies Gemperle

Die Künstlerin malt nicht erst seit heute. Seit 1992 befasst sie sich mit dem künstlerischen Ausdruck mittels Farbe und Form. Sie hat unzählige Kurse im gestalterischen Bereich – Aktzeichnen, Modellieren, Aquarellieren – besucht und sich seither ständig weitergebildet. Ausserdem hat sie Malwochen in verschiedenen Weltgegenden besucht, gerne am Wasser, wie man dem im in der Ausstellung aufgelegten Informationsblatt entnehmen kann – Tessin, Venedig, Bodensee, Madeira, Griechenland. Sie hat auch schon an unzähligen Kunstausstellungen teilgenommen, so auch mehrmals an der «Creativa» in Oberuzwil oder in Gruppenausstellungen, die der Kunstkreis Wil immer wieder zeigt. Sie ist Mitglied in diesem Verein.

Einmaliger Künstlername

Marlies Gemperle Berger signiert ihre Werke mit «GemPerle». Das ist ein hübsches Wortspiel – «Gem» bedeutet schliesslich «Kleinod» oder «Edelstein», durch das Wort «Perle» noch verstärkt. Wie die Künstlerin zu diesem Namen kam? Vor etwa 20 Jahren habe sie einmal ein an sie adressiertes Couvert zerrissen und dann erstaunt auf «Marlies Gem» geschaut, während auf dem zweiten Teil nur noch «perle» stand. War das nicht ein Wink des Schicksals? Natürlich! «GemPerle» – voilà! – ein eingängiger Künstlername! Dank dieses «Zufalls» sind alle ihre Bilder mit diesem wirklich aussergewöhnlichen Namen signiert.

Ihre Bilder zeugen von Liebe zur Natur, zu Naturfarben und einer ganz persönlichen Übersetzung des Gesehenen. Wer ihre Bilder anschaut, soll sich eine eigene Vorstellung vom Gezeigten machen. Für ihre grossformatigen Bilder mischt sie die Farben aus verschiedenen Pigmenten selbst. Wer die ausgestellten Bilder überschaut, findet viele verschiedene Gelb- und Grüntöne aus der Natur, aber auch Rot oder klares Weiss und Blau. Gerne malt sie auch Ikonen, die sie mit kostbaren Materialien – Echtgold, aber auch Silber – veredelt. Die dafür selbstentwickelte Maltechnik nennt sie Ikonentechnik. Diese kommt auf ihren kleinformatigen Ikonenbildern zur Anwendung. Im Galerie-Schaufenster können diese Kostbarkeiten bis am 15. Februar 2026 bewundert werden.

Roger Rothenbacher

Es ist erstaunlich, wie dieser Mann Schwemmholz zu neuem Leben erwecken kann. Zuerst hat Roger Rothenbacher aus Hauptwil TG jedoch einen ganz «normalen» handwerklichen Berufsweg eingeschlagen, wurde erst Heizungsmonteur und betätigte sich später in verschiedenen handwerklichen Bereichen. Er suchte schon damals für jedes Problem gerne einen kreativen, lösungsorientierten Weg. Seit 12 Jahren hat er nun eine weitere Leidenschaft entdeckt. Er sucht – vielleicht wäre «fahndet» der noch passendere Ausdruck – nach Schwemmholz in Wildbächen, bevorzugt im Bündnerland, um aus passenden Fundstücken schöne Dinge herzustellen. Natürlich ist seine Suche nach passenden Objekten nicht immer von Erfolg gekrönt. Er veredelt diese Naturmaterialien zu besonderen Kunstwerken, so etwa zu Leuchtkörpern oder Gebrauchsgegenständen für den Alltag. Unterdessen setzt er auch Glas und andere Materialien ein, immer im Hinblick auf formschöne Objekte. Manche Skulpturen nehmen ziemlich viel Raum ein. Wer ein solches Stück kauft, weiss bestimmt genau, wo er dieses platzieren will.

Etwas zu den Preisen

Die Bilder von Marlies Gemperle sind alle gut bezahlbar. Es ist jedoch wie beim Handarbeiten: Müsste man die aufgewendeten Stunden nur einigermassen berechnen, wäre so ein Werk fast unbezahlbar. Doch Kunstschaffende wissen, dass auch die Hingabe während der Entstehung eines Kunstobjekts einen grossen Teil der Freude daran ausmacht. Nun steigt aber der Goldpreis ins Unermessliche, was möglicherweise auch bei der Preisgestaltung für die Ikonen eine Anpassung nach oben nötig machen könnte.

Gut verständlich ist, dass die aufwendig bearbeiteten Schwemmhölzer und die Veredelung mit Lämpchen oder anderen Dekorelementen, die Seltenheit, passende Hölzer zu finden sowie die Notwendigkeit von verschiedenen Werkzeugen etwas mehr kosten. Sie brauchen aber auch einen wirklich passenden Platz, damit ihr Reiz und ihre Schönheit zur Geltung kommen können.

Nicht vergessen werden dürfen all die Freiwilligen, die im Team, im Vorstand oder in der Betreuung während der Öffnungszeiten mitarbeiten. Ohne sie könnte die Galerie nicht betrieben werden.

Öffnungszeiten der Galerie:

Mittwoch09:00 – 11:00 Uhr
Freitag16:00 – 18:00 Uhr
Samstag14:00 – 17:00 Uhr
Sonntag14;00 – 17:00 Uhr

Auf Uzwil24  kann ebenfalls ein Artikel zur Ausstellung nachgelesen werden.