«Ich will euch stärken, kommt»
So hiess das Motto des diesjährigen Weltgebetstags – WGT -, welches Frauen aus Nigeria für die Feier gewählt haben. Hiess der Anlass früher «Weltgebetstag für Frauen», werden seit etlichen Jahren unterdessen auch Männer eingeladen.

Eine schöne Anzahl Frauen fand sich in Oberuzwil ein, samt einem mutigen Mann. Vorne rechts seiht man vier Frauen des Vorbereitungs-Teams: v.l. Ellen Schout Grünenfelder, Heidi Baer-Loser, Petra Forster-Engelberger, Theres Hugentobler aus Jonschwil, Leonora Zingg und etwas verdeckt Rosmarie Forrer. Dazu gehört auch Doris Müller.

Auf die Stühle hatten die Organisatorinnen sorgfältig zusammengebundene Holzbündelchen gelegt, welche im Laufe der Zeremonie auf diese Mittelinsel gelegt wurden.
Sorgfältige Umsetzung der Liturgie
In Oberuzwil bereitete eine siebenköpfige Vorbereitungsgruppe rund um die Seelsorgerin Ellen Schout Grünenfelder diese Feier vor. Als Blickfang hatten die Frauen eine einladende nigerianische Szenerie aufgebaut. Eine riesige Giraffe überragte die Installation, in Afrika als Tier der Sanftmut und des Weitblicks bekannt. In Nigeria ist dieses grosse Säugetier allerdings so gut wie ausgestorben, aber bei uns ein Sinnbild für Afrika. Bilder von Naturzerstörung lagen neben künstlerisch gestaltetem Schmuck, Steine als Sinnbild von Lasten aller Art.
In den Fürbitten wurden die Anliegen der drei vorgestellten Frauenschicksale aufgenommen. Gemeinsam wurde von allen darauf Antwort gegeben.

Kurze Geschichte des Weltgebetstags
Frauen riefen diese unterdessen weltweite Bewegung ins Leben. Den Anfang nahm diese 1887 in Brooklyn USA, als ein Gebetstag für die Innere Mission ausgerufen wurde. 1927 wurde bereits der erste offizielle WGT gefeiert. 1936 erreichte dieser Ruf auch die Schweiz. 1950 begingen bereits 92 Länder diesen Tag. 1978 erklärte das Internationale Weltgebetstag-Komitee in Sambia dann ganz offiziell die Stossrichtung der Veranstaltung. «Gebet, Gemeinschaft und Handeln» wurden als Kernpunkte jedes WGT festgelegt. Heute wird der Tag in über 170 Ländern gefeiert, immer am ersten Freitag im März. Die Feier wird weltweit ökumenisch organisiert.
Etwas zu Nigeria

Das Titelbild auf dem Begleitheft wurde von der jungen nigerianischen Künstlerin Gift Amarachi Ottah gestaltet. Im Vordergrund repräsentieren drei Frauen in traditionellen Gewändern verschiedene Kulturen Nigerias. In diesem riesigen Land gibt es ungefähr 250 unterschiedliche Volksgruppen. Die Frauen im Hintergrund tragen alle schwere Lasten, körperliche, aber auch psychische. Das Leben der Frauen auf dem Land ist hart, fast alle Arbeit lastet auf ihren Schultern
Die Farben Grün und Weiss bilden die Landesflagge siehe auch beim Drink weiter unten im Artikel.


Nigeria ist ein riesiges Land, ungefähr 22 x so gross wie die Schweiz. Rund 500 verschiedene Sprachen werden gesprochen. Die sehr junge Bevölkerung zählt um die 250 Millionen. Religion ist in diesem Staat sehr wichtig. Im Norden sind die Menschen vorwiegend muslimisch, im Süden herrscht das Christentum vor. Der Kolonialismus mit seiner Ausbeutung von Bodenschätzen, verbunden mit riesiger Umweltzerstörung, hat bis heute grosse Auswirkungen. Die Müttersterblichkeit ist hoch, viele Kinder – vor allem Mädchen – bekommen keine Schulbildung, weil etwa 40 % der Menschen dort unter der Armutsgrenze leben. Die Regierung lässt ihre Bürger im Stich. Das Land ist zwar reich an Bodenschätzen, ihr Erlös kommt jedoch wegen der grassierenden Korruption leider nur wenig bei den «normalen» Menschen dort an.
Wirtschaftliches Umfeld
Was hierzulande vermutlich nur wenige wissen: In Nigeria gibt es eine blühende Filmindustrie namens «Nollywood». Nach Bollywood aus Indien ist dies die grösste Filmfabrik weltweit, noch vor Hollywood! Jährlich werden hier mehrere tausend Filme gedreht, welche meist Geschichten aus dem nigerianischen Alltag erzählen. Es kann aber auch vorkommen, dass ein solches Team in der Schweiz einen Film dreht, um seine Landsleute von einer gefährlichen Überfahrt übers Meer abzuhalten. Im nigerianischen Filmgeschäft arbeiten mehr als eine Million Menschen.
Musikalische Vertiefung

Die Musikerin Oxana Peter-Fedjura fühlte sich am Flügel in die Stimmung der jeweiligen Liturgie-Teile ein und spielte teils sehr bewegte – wer wollte, konnte dazu auch tanzen – oder aber melancholische Stücke. Sie begleitete auch die gesungenen Lieder.
Das Vorbereitungsteam hatte auch ein aus Südafrika stammendes Lied für die Feier ausgelesen. «Sphamandla Nkosi – Gott, gib uns Stärke» mit dem schönen Anfang «Sanftmut den Männern! Grossmut den Frauen! Liebe uns allen, weil wir sie brauchen.» Die erste Strophe wurde in der Ursprungssprache gesungen. Den musikalischen Schluss machte wie immer das Lied Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen, welches die Verbundenheit der Christen auf der ganzen Welt besingt.
Eindrückliche Lebensbilder
«Der Schmerz einer einzelnen Frau ist der Schmerz aller» ist eine Urerfahrung dieser afrikanischen Glaubensschwestern. Frauen tragen die Hauptlast des Familienlebens. Trotz vieler existenzieller Nöte schimmerte während der ganzen Liturgie eine tiefe Hoffnung durch, dass der Glaube sie weiterhin stärken möge und durch alle Schwierigkeiten durchtrage.
Die vorgestellten Lebensbilder von drei Frauen mit ganz besonderen Herausforderungen, die vor allem Frauen betreffen, bewegten. Die Geschichte von Beatrice beschrieb die Last gesellschaftlicher Unterdrückung. Mit dem plötzlichen Tod ihres Mannes verlor sie mit ihren drei kleinen Kindern den Platz in der Gesellschaft. Doch ihre Idee, einen Witwenzirkel zu gründen und sich gegenseitig zu unterstützen. Sie stärken sich auch gemeinsam in ihrem Glauben an Gott.
Jato lebt als christliche Mutter im muslimischen Norden. Ihre Last ist die religiöse Verfolgung. Im Norden Nigerias werden Christen oft verfolgt, junge Mädchen von Terrorgruppen wie Boko Haram aus Schulen entführt und versklavt, Angst – vor allem um die eigenen Kinder, denn auch Buben sind gefährdet – ist da immer vorhanden. Doch Jato will nach dem Vorbild von Jesus gelebte Nächstenliebe zeigen und mit ihren Nachbarn in Frieden leben.
Blessing – der Name bedeutet «die Gesegnete» – spürt die Last von Armut und Verzweiflung auf ihren Schultern. Sie lebt in der Grossstadt Lagos und sieht, wie Armut und Kriminalität zusehends steigen. Und doch sieht auch sie Hoffnung. Ihre Nachbarin Grace hat ihren Mann verloren und jetzt ein kleines Geschäft mit Seife gegründet. Es reicht gerade so für die Ernährung der Familie. Sie bezeugt: «Selbst in unseren Nöten finden wir Beweise für Gottes Treue».
Kollekte gehört zum «Handeln»
Diesmal wurde die Kollekte für fünf verschiedene Projekte nigerianischer Frauen eingesammelt, welche die Lebenslast dieser Menschen etwas erleichtern helfen.
- Existenzsicherung für alleinerziehende oder beeinträchtigte Frauen
- Für 50 000 Menschen in der Millionenstadt Lagos eine tägliche Mahlzeit mit Einbindung der Mütter
- Ökologische Bildung: Verhinderung von weiteren Umweltschäden wie etwa Bodenerosion, dafür Pflanzung von Baumschulen, Projekte zur Bodenverbesserung
- Geschäftsideen umsetzen, für 50 Frauen gedacht
- Unterstützung für Frauen mit Gewalterfahrung(en) mit Schutzräumen, Zugang zu medizinischer Versorgung
Köstlichkeiten aus Nigeria
Nach dem Gottesdienst gehört das gemütliche Beisammensein bei feinen Leckerbissen aus dem jeweiligen Land dazu. Doris Müller hatte dafür einen wunderbar fruchtigen, alkoholfreien Drink namens «Chapman» vorbereitet, der von allen sehr genossen wurde. Und ein sehr gut mundendes Mus namens Mafé, bestehend aus Erdnussbutter, Rüebli und Süsskartoffeln konnte, wer wollte, auf heisse Naan-Brotstücklein aufstreichen. Manche bevorzugten da allerdings einen Löffel für das Mus. Sogar Dessert gab es. Dafür hatte Doris Müller unzählige kleine, geschmacklich überzeugende Kokosbällchen namens Shuku-Shuku gebacken, welche zu Kaffee angeboten wurden.
Sie sagt: Integration ist keine Einbahnstrasse




