„Heidi“ zu Besuch in der REHA-Klinik Zihlschlacht

„Heidi“ zu Besuch in der REHA-Klinik Zihlschlacht

30. Juli 2022 Aus Von Annelies Seelhofer-Brunner

Vernissage von Marlene Stör-Brenner mit Heidi-Bildern

Marlene Stör-Brenner aus Bichwil ist eine ganz besondere Frau. Und was sie macht, das macht sie mit grösster Hingabe. In den letzten Jahren hat sie die ganze Heidi-Geschichte von Johanna Spyri neu illustriert. Als Vorlage diente ihr ein Silva-Buch… Nun haben ihre grossformatigen Farbstiftzeichnungen eine temporäre Heimat an den Wänden eines Durchgangs der REHA-Klinik Zihlschlacht TG gefunden. Rehaklinik Zihlschlacht | VAMED (rehaklinik-zihlschlacht.ch)

In dieser Klinik leben Menschen, welche durch einen Schicksalsschlag aus ihrem gewohnten Alltag herausgerissen und oft mit grösster Anstrengung versuchen, wieder eigenständig leben zu können, für eine begrenzte Zeit. Da tun positiv gestimmte Bilder bestimmt gut. So gibt es immer wieder Bilderausstellungen in den grossen Gängen der Klinik. Künstlerin Marlene Stör freute sich sehr, dass sie ihre farbenfrohen Bilder nun in diesen Räumlichkeiten bis zum 8. Oktober 2022 hängenlassen darf.

Eine eigene Kunstverantwortliche

Mit Gabriela Oertig hat die Klinik eine eigene Kunstsachverständige, die in dieser Funktion für eine wohltuende Stimmung in den hauseigenen Räumen sorgt. Mit ihr kam der Kontakt für die Ausstellung zustande. Während der Pandemie waren solche Angebote kaum möglich gewesen, umso grösser die Freude nun über neue Ausstellungen. Gabriela Oertig ist Leiterin des Freiwilligendienst der Klinik, denn für die Genesung der hier lebenden Patienten braucht es ganz viel Unterstützung, die auch von Freiwilligen, die einen Teil ihrer Freizeit für ihre Mitmenschen einsetzen.

Gabriela Oertig, unter anderem zuständig für künstlerische Belange der Klinik, führte in die Ausstellung mit den lebensfrohen Heidibildern ein.

Marlene Stör-Brenner

Die Künstlerin fühlt sich der Romanfigur Heidi sehr nahe. Auch sie liebt die Natur, Berge und Seen, den Schnee und das Meer. In einer grossen Lebenskrise begann sie, inspiriert von einem Heidi-Silvabuch mit farbigen Aquarellbildchen von Martha Pfannenschmid, die Szenen nach eigener Vorstellung mit Leben zu füllen. Im folgenden Artikel kann mehr zum Werdegang und der Motivation, aber auch dem Hintergrund zu ihrem kreativen Schaffen nachgelesen werden. Heidi als Retterin aus grosser Lebenskrise – Mein Kulturtröckli (kulturnotizen.ch)

„Naturkind Heidi“

Heidi ist zu einer Art Nationalheilige der Schweiz geworden. Johanna Spyri schilderte in ihren beiden Heidibüchern das Leben eines Schweizer Alpenmädchens, welcher in der Grossstadt fast eingeht, weil man dort nicht einmal den Himmel und vor allem keine Berge sieht. Doch oben auf der Alp kommen die Lebensgeister zurück. Der eigensinnige Alpöhi sowie der lernunwillige Geissenpeter mit den Geissen Distelfink und Schneehöppli lassen Heidi wieder glücklich werden. Die Berge und die rauschenden Tannen werden zu ihrem Zufluchtsort. Und so einen Ort hat auch Marlene Stör für sich gefunden. Ihrem ledigen Familiennamen macht sie dabei alle Ehre, sie „brennt“ für ihre Kunst.

Das Heidi-Huus in Amden

Wenn Marlene Stör von „ihrem“ Heidihuus“ in Amden zu erzählen beginnt, dann leuchten ihre Augen. Sie kann gar nicht genug davon bekommen, zu schildern, in welch inspirierenden, wunderbaren Natur dieses Haus liegt, voll mit Werken aus ihrer Hand, dazu Berge in der Nähe, um mit dem E-Bike hochzukraxeln, Schnee, um rasante Abfahrten zu erleben, auch wenn sie betont, dass sie keine Ski-Raserin sei. Sie liebt e mehr ,zu “fötele” und die Aussicht zu geniessen. Und da gibt es Bergseen, etwas kalt vielleicht, aber halt einfach total erfrischend. Seit einiger Zeit steht eine ausrangierte Flumserberg-Bergbahngondel vor dem Haus, eine Art „Wintergarten“ für die Familie Stör. Am Pizol fährt in fünf Gondeln je ein Heidibuch mit. Grundbuchamtlich gehört das Haus zwar einem Brenner-Bruder, Störs haben es „nur“ gemietet, aber innerlich wurde es schon fast zu etwas Eigenem gemacht.

Verschiedene Schaffensphasen

Marlene Stör-Brenner hat immer wieder neue Darstellungsarten angewandt. Schon Traugott Stauss malte, ein Grossonkel väterlicherseits. Sie selber malte zwischen 1973 – 1983 mit Acryl, schaute sich viel ab, fand dabei aber ihren eigenen Stil. Sujet waren immer der Säntis oder das bäuerliche Toggenburg. Dann kam die Zeit der dreidimensionalen „Gwunderchäschtli“ eine Art Schaufenster mit Szenen aus dem Leben, mit Naturmaterialien kreiert. Ihr Vater fand aber diese Kästchen „Gugus“, wie Marlene Stör an der Vernissage verriet. Sie solle doch wieder mit Farbstiften zeichnen. Sie überlegte sich das, kaufte erst einmal 10 Farbstifte und begann zu zeichnen, immer ohne dazu je einen Bleistift zu benutzen.

Die Rose hat es der Künstlerin angetan. So gibt es ein Bild mit 140 x 90 cm – siehe untenstehendes Bild – , alles mit Farbstift gestaltet, oft in mehreren „Schichten“ ausgemalt. Kreativität braucht Raum und Zeit. Die Künstlerin hat deshalb schon früh angefangen, ausser Haus ein Atelier zu mieten. Dort vergass sie alles, wenn sie so richtig im „Flow“ war, wie man eine Schaffensphase ohne ein Zeitgefühl, dafür mit unerschöpflicher Energie nennt. An der Vernissage meinte sie mit einem kurzen Seitenblick zu ihrem Ehemann, sie hätte „vermutlich“ wegen ihrer „Malsucht“ manchmal dafür den Haushalt vernachlässigt…

Nicht gerade klein und alles einzig mit Farbstiften gemalt, ohne Vorzeichnung, dafür immer wieder übermalt…

Professionelle musikalische Perlen

Die Vernissage war nicht nur eine Freude für das Auge, sondern beglückte auch das Ohr. Familie Susanne Brenner Scheiwiller und Simon Scheiwiller-Brenner mit den Söhnen Fiorin und Alvin boten einen wahren Ohrenschmaus. Susanne Brenner ist die Tochter von Marlene Störs Bruder Peter, also ihre Nichte.

Dabei kam auch ein Carbon-Alphorn zum Einsatz, der grossen Länge wegen im Gang vor dem Konferenzsaal eingesetzt. Das Instrument kann allerdings derart ineinander versorgt werden, dass man es als Handgepäck sogar in ein Flugzeug mitnehmen kann. Dessen Klang lockte einige Interessierte aus der Klinik herbei. https://www.land-der-erfinder.ch/die-erfindung-alpflyinghorn/

Alvin Scheiwiller ist ein äusserst talentierter Geigenspieler. Er spielt aber auch Klavier. Zusammen mit seinem älteren Bruder Fiorin ist er trotz seines jugendlichen Alters bereits Mitglied des Wattwiler Kanti-Orchesters „il mosaico“. Fiorin spielt Horn und Alphorn. Mitglieder | Jugendorchester «il mosaico»

  • 1 Alvin Scheiwiller mit seiner Mutter am E-Piano Der Bub spielte alles souverän und total auswendig.
  • 2 Fiorin Scheiwller mit dem Waldhorn. Sein Vater Simon betätigt sich als “Notenständer, Mutter Susanne begleitet ihn.

Susanne Brenner Scheiwiller ist Organistin, Kirchenchorleiterin, aber auch Singen mit Kindern liegt ihr am Herzen. Dirigentin (kirchenchor-freienbach.ch) Ihr Mann Simon Scheiwiller ist ebenfalls Musiker, spielt Horn und Alphorn und komponiert für grosse Orchester Werke. Dazu ist er ebenfalls Dirigent. Biographie | Simon Scheiwiller

Das Publikum im kleinen Konferenzsaal durfte sich der Humoreske von Dvorak erfreuen, von Mama Susanne und Sohn Alvin an der Violine meisterhaft und leichtfüssig dargeboten.

Antonin Dvořák – Humoreske Nr. 7

Später spielten sie zusammen „Marche miniature“ von Fritz Kreisler, beschwingt und mit seinem leisen Humor allen ein Lächeln auf die Gesichter zaubernd.

Bruder Fiorin beglückte auf seinem Waldhorn mit der 1. Sonate für Horn und Klavier, komponiert von Luigi Cherubini. Ausserdem genoss das vorwiegend familiäre Publikum die „Romance opus 36“ von Camille Saint-Saëns, auch dieses Stück von Mutter und Sohn meisterlich gespielt. Romance op. 36 – Camille Saint-Saëns – YouTube

Der kleine Bruder Corvin freute sich zu Beginn seinerseits über die lustige Porzellankuh – eigentlich die Geschäftskasse, welche als Dank jeweils muhte, wenn man ihren Kopf bewegte.

Apéro Riche

Der schöne Anlass wurde mit einem wunderbaren „Apéro Riche“ beendet – gestiftet von der REHA-Klinik Zihlschlacht -, draussen auf einer Terrasse mit Blick auf die wunderbaren Bäume im Park. Alle griffen zünftig zu, ganz besonders auch die beiden jungen Musiker, was ihnen herzlich zu gönnen war, hatten sie doch viel zu einer beschwingten, gediegenen Feierstunde beigetragen, zusammen mit ihren Eltern und natürlich der Künstlerin selber. Hoffentlich lassen sich in nächster Zeit viele Menschen, die in der Klinik Genesung suchen, sowie Besucherinnen und Besucher auf die detailreichen Bilder ein und vergessen für einen Moment den nicht immer einfachen Alltag.