Pan-Tastische Pfeifenklänge

Pan-Tastische Pfeifenklänge

25. März 2026 Aus Von Annelies Seelhofer-Brunner

Schon der Name des 3. Konzerts des Konzertzyklus Uzwil war sehr geheimnisvoll. In der Wortschöpfung kommt PAN, Gott der Natur, des Waldes, der Hirten und Herden vor. Er hat ein dämonisches Image, wird als wild und triebhaft beschrieben. Ihm wird die Panflöte – auch unter dem Namen «Syrinx» bekannt – zugeschrieben. Zudem stammt auch das Wort «Panik» von diesem Gott, der der Mythologie nach oft herumschrie und damit seiner Umwelt Angst machte. Daria Brändle ist eine Meisterin auf diesem Instrument. Max Heinz, ihr musikalischer Partner, ist seinerseits ein grosser Könner auf der Orgel. Mittels TASTEN bringt der Organist die Töne dank OrgelPFEIFEN zum Klingen. In der akustisch hervorragenden evangelischen Kirche Oberuzwil – einem Grubenmann-Bauwerk – kam dieses Zusammenspiel ganz besonders zum Tragen. Es ist bereits das siebte Programm des Duos.

Die Clientis-Bank Oberuzwil AG hatte einen Teil ihrer Dekoration nach der diesjährigen GV in die Kirche stellen lassen, was dem Konzert einen weiteren festlichen Glanzpunkt aufsetzte.

Spezielle Sitzordnung

Wer zwar rechtzeitig, aber doch etwas später in die Kirche trat, sah sich einem Publikum vorne im Chorbereich gegenüber. Denn gespielt wurde auf der Empore, sichtbar war verständlicherweise aber nur Panflötistin Daria Brändle.

Auch in den Kirchenbänken sassen schliesslich viele Musikinteressierte. Auf Nachfrage war zu hören, dass auch da die Klangqualität hervorragend war. Und glücklicherweise gab es auch für diese Musikfans am Schluss des Konzerts doch noch ein Auge voll, da das Duo nach dem riesigen Applaus vorne im Chorbereich eine hinreissende Komposition des Schweizer Komponisten Peder Rizzi – 1956 in Scuol geboren – als Zugabe spielte. Rizzi hat sich vor allem von rumänischen Panflöten-Virtuosen inspirieren und unterrichten, vom weltbekannten Gheorghe Zamfir gar in einem Meisterkurs ausbilden lassen.

Zu diesem Höhepunkt hatte sich Max Heinz an den Elektro-Flügel im Chorraum gesetzt und seine mit viel Körpereinsatz über ihr Instrument blasende Duo-Kollegin so richtig strahlen und trillern lassen. Diese nahm den Ball auf, was zu einer Art Zwiegespräch führte. Damit endete ein wunderbares Konzert, welches das ganze turbulente Weltgeschehen der Gegenwart für eine Weile völlig vergessen liess.

Daria Brändle

Schon im Auftaktkonzert 2022 hatte Daria Brändle – damals mit der Harfenistin Patricia Meier – auf ihrer Panflöte begeistert. Die Musikerin macht sich auf verschiedenen Ebenen für die Bekanntmachung dieses speziellen Instruments stark. Im Verein PANFLÖTENFESTIVAL SCHWEIZ ist sie seit 2018 im Vorstand. Die Mission dieses Vereins: «Eine Schweiz, in der die Panflöte nicht nur ein Instrument, sondern ein Symbol für Gemeinschaft, Kreativität und Freude ist.» Daria Brändle wirkt auch an verschiedenen Musikschulen als begeisternde Lehrerin für ihr geliebtes Instrument.

Max Heinz

Der ausgebildete Chorleiter und Organist Max Heinz ist im Toggenburg ein bekannter Mann. Viele Jahre unterrichtete er an der Kantonsschule Wattwil oder an der Musikschule und Sekundarstufe Lichtensteig. Seine 3 Bs – normalerweise Bach, Brahms und Beethoven – heissen bei ihm «Bach, Beethoven und die Beatles». Ganz besonders angetan hat es ihm die Lichtensteiger Orgel mit ihren vielfältigen Registrier-Möglichkeiten.

In Oberuzwil hoffte er, dass die Orgel sein kraftvolles Spiel aushalten werde. Er spielte dabei auf sein Lieblingsstück des herausragenden Komponisten Johann Sebastian Bach an, in dessen Komposition TOCCATA UND FUGE IN D MOLL BWV 565 der Orgel wirklich alles abverlangt wird. Dieses Werk zeigte einmal mehr, wie sorgfältig komponierte Musik die Jahrhunderte überdauert und weiterhin frisch und inspirierend wirkt. Da legte sich Max Heinz ins Zeug, man hörte fast die Pedale knarren, denn auch die Füsse hatten sehr viel Arbeit. Auch wenn das Werk zu seinen Allerbekanntesten gehört, geniesst man es doch immer wieder gerne.

Majestätische Klänge

Musik öffnet Herzen der Zuhörerschaft, vor allem wenn ihr die Stücke mit etwas Hintergrund nahegebracht werden. Dies taten sowohl Max Heinz wie auch Daria Brändle auf sehr angenehme Weise.

Mit Georg Friedrich Händel (1685-1759), einem Zeitgenossen von Johann Sebastian Bach, begann das Konzert. Händel komponierte 1727 die Krönungsmusik für den englischen König Georg II namens  Zadok the Priest, ein mächtiges, majestätisches Werk, welches beim Hören sofort innere Bilder von marschierenden Ehrengarden vor das innere Auge zaubert. Hier brauste die Orgel so richtig, Max Heinz zog alle Register. Und Daria Brändles virtuoses Spiel auf ihrem hier hell und fröhlich klingenden Instrument verschmolz mit den Orgeltönen zu einem Gesamtklang.

Sanftere Töne

Um die aufwühlenden Klänge wieder in etwas sanftere Sphären zu bringen, folgte darauf das Klagelied Lascia ch’io pianga aus der Oper «Rinaldo», ebenfalls von Händel. Hier hielt sich die Orgel sehr zurück, man spürte das Weinen der gefangenen Jungfrau Almirena, die den sarazenischen König Argante bittet: «Lass mich beweinen mein grausames Schicksal.» Beim Andante in C-Dur, KV 315 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) bekam die Panflöte Vorrang, der Organist machte nur kleine Einwürfe, die Panflöte liess die ganze Tonfülle des Instruments in aufwärts und abwärtsführenden Kaskaden erklingen.

Variationen über «God Save the King» – Gott schütze den König

Für ältere Besucherinnen und Besucher hatte dieses Werk von Ludwig van Beethoven (1770-1827) bestimmt eine Art «Dejà-vu» Effekt. Wo hatte man das denn schon gehört? Ach, natürlich, die frühere Schweizer Nationalhymne «Heil dir Helvetia» wurde ja nach dieser Melodie gesungen. Hier spielte Max Heinz je nach Art der Variation mit sehr ausgeklügelter Registrierung, mit mächtigen Akkorden, oft auch mit Fanfaren oder mit einer Art Echowirkung, bis die Melodie am Schluss wieder völlig zu erkennen war.

Auch einen Liebesgruss bekam die Zuhörerschaft geschenkt. «Salut d’amour» des Komponisten Edvard Elgar (1857-1934) , ursprünglich für Geige und Klavier komponiert, erfreute mit seiner teilweise tänzelnden Melodie und liess in glücklichen Gefühlen schwelgen.

Spezielle Klang-Effekte

Zwei Mal war auch ganz scheu ein Anflug von Dudelsackklängen zu hören, erst im Stück des gleichen Komponisten namens «Land of Hope and Glory» – Land der Hoffnung und des Ruhms -, einem äussert zeremoniellen Musik, nur von der Orgel allein vorgetragen. Und im Orgel-Stück «Ashokan Farewell» von Jay Ungar, geboren 1946, angelehnt an die amerikanische Volksmusik mit Fidel und Dudelsack aus der Zeit des Bürgerkriegs, meinte man irische Musik zu hören, voller Heimweh und Melancholie. Der hinreissende Ungarische Tanz op 308 Nr. 2 von Wilhelm Popp (1828-1903) machte den Schluss des Programms. Hier konnte Daria Brändle noch einem alle «Register» ihrer Kunst zum Klingen bringen. Am liebsten hätte man dazu auch wirklich getanzt…

Konzertzyklus Uzwil in eigener Sache: Der Verein sucht mindestens ein neues Vorstandsmitglied, da Erika Helg sich zurückziehen möchte. Genaueres kann bei Präsident Hanspeter Haltner oder einem Mitglied des Vorstand erfahren werden.