Blick hinter die Kulissen des Oberuzwiler Jugendparlaments
Seit 2024 gibt es auch in Oberuzwil ein Jugendparlament. Mitmachen können alle ab der Oberstufe in der Gemeinde wohnenden Jugendlichen, die Altersgrenze nach oben liegt bei 19 Jahren. Im Augenblick sind das zehn Jugendliche. Wie auf dieser Altersstufe üblich, gibt es jedoch immer wieder Abgänge, aber dank Werbung durch bereits mitmachende Mitglieder auch wieder Eintritte. In dieser Organisation sollen die Jugendlichen einen Einblick in die politischen Zusammenhänge der Gemeinde Oberuzwil bekommen, mit einem weiten Blick auch «über den Tellerrand», das heisst, in die kantonale und eidgenössische Politik. Politik betrifft alle Menschen. Teilhabe ist wichtig.



Angestossen vom ehemaligen Gemeinderat Roland Bischof und nun begleitet von Gemeinderat Fabio Wagner, selbst noch nicht lange dem Teenie-Alter entwachsen, kümmern sich die Jugendlichen um Belange, die vor allem ihre Generation betreffen. Allzu viele Angebote für sie gibt es bis heute nicht. Schulische Angelegenheiten sind dabei ausgenommen, da diese von den Schülerräten der Oberstufe bearbeitet werden können. Die Jugendlichen geben für diese Tätigkeit einen Teil ihrer Freizeit, tragen damit aber auch viel zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei, der für ein friedliches Zusammenleben wichtig ist.
Einblick in den Finanzplan der GemeindeDas Parlament trifft sich üblicherweise jährlich zu zwei Sitzungen, jeweils an einem Samstag. So auch an der ersten Sitzung im laufenden Jahr, diesmal mit einer Einführung in die finanziellen Belange der Schulgemeinde.

Schulpräsident und Gemeinderat Roland Waltert zeigte den Jugendlichen anhand aussagekräftiger Grafiken, wofür die Gemeinde ihr Geld ausgibt. Der grösste Posten betrifft tatsächlich die Bildung
Waltert machte deutlich, wie sich das erwartete Bevölkerungswachstum in der Gemeinderechnung niederschlägt. Im Budget 2026 wird ein Ausgabenüberschuss von rund 5 Millionen Franken vorgegeben. Nebst der Bildung brauchen aber auch Gesundheit, soziale Sicherheit und vor allem auch die Infrastruktur genügend Mittel, um alle teilweise gesetzlich vorgegebenen Leistungen erbringen zu können.
Aufruf zur Teilhabe am politischen Geschehen der Gemeinde
Der Leitsatz für die Gemeinde heisst: «Wir sind gemeinsam auf dem Weg.» In nächster Zeit fallen unzählige Bauvorhaben an. Die Bürgerversammlung vom 31. März 2026 wird über die Vorhaben teilweise abstimmen können. Die genauen Zahlen zu all den Vorhaben können im aktuellen, sehr aussagekräftigen Geschäftsbericht 2025 nachgelesen werden. Dieser kann auch gedruckt beim Empfang – Front-Office – bezogen oder bei der Gemeindekanzlei bestellt werden. Der Schulpräsident versicherte den Jugendlichen, dass sie auf all ihre Anfragen oder Vorschläge eine gut begründete Antwort bekommen würden. Er bedankte sich bei den Anwesenden dafür, dass sie sich für das Gemeinwesen einsetzen wollten. Wertschätzung erhöht die Motivation, dies nicht nur von Jugendlichen…
Angebote der Schule
Gallus Rieger, Leiter Volksschule, stellte die verschiedenen Angebote der Schule Oberuzwil vor.

Viele Projekte laufen nebeneinanderher. In den letzten 10 Jahren wurde eine Quartierschule zum Deutschlernen oder das Familienzentrum an der Gerbestrasse 4 mit unzähligen Kontaktmöglichkeiten für Familien eröffnet. Wenn immer möglich, arbeitet die Schule regional zusammen, so bei der Musikschule, der Beschulung in einer Kleinklasse oder in der Weiterbildung der Mitarbeitenden. Neu kann auch ein Intensivkurs Deutsch als Zweitsprache besucht werden. Grosses Augenmerk wird zudem auf die Frühförderung gelegt, gerade auch im Hinblick auf die deutsche Sprache. Immer wichtiger wird auch die Schulsozialarbeit. Die Jugendlichen bekamen auch eine Denkaufgabe: «Was darf die Schule Oberuzwil bei weiteren Schulraumerweiterungen keinesfalls vergessen?»
Verschiedene Bauvorhaben
In nächster Zeit fallen unzählige Bauvorhaben an. Das Dach der MZA Breite muss dringend saniert werden, es regnet herein. Auf dem grossflächigen Dach ist eine Photovoltaik-Anlage vorgesehen. In Bichwil braucht das Schulhaus dringend neue Fenster sowie eine neue Aussenhülle. Auch hier sind Photovoltaik-Module vorgesehen. Das Freibad braucht sogar recht dringend eine Überholung. Da ist die Technik im Untergrund völlig veraltet. An der Bürgerversammlung vom 31. März 2026 wird über diese Vorhaben teilweise abgestimmt werden. Es kann eben nicht alles auf einmal gebaut werden, es braucht eine genaue Planung, sowohl in finanzieller wie auch in baulicher Hinsicht.
Waltert ermunterte die Jugendlichen, sich doch von der Galerie oben einmal anzuschauen, wie so eine demokratische Versammlung ablaufe. Sozusagen eine «Demokratie-Ausbildung»…
Besuch der Räumlichkeiten der Tagesstruktur
Nach diesem doch eher nüchternen Zahlenbericht wurden die Räumlichkeiten der Schulergänzenden Tagesstrukturen an der Wiesentalstrasse 20 – zu Fuss! – besucht. Dafür sind zwei grosse Stockwerke an der Wiesentalstrasse angemietet. Es verblüffte, wie grosszügig die Räumlichkeiten sind. Hört man aber, dass 168 Kinder – darunter auch einzelne Jugendliche – diesen Ort der ausserschulischen Betreuung besuchen, kann man sich vorstellen, dass gerade über die Mittagszeit doch ein ziemliches Gewusel herrscht. Allerdings gibt es für die Quirligen einen Bewegungsraum, für die Ruhesuchenden einen für stille Momente. Die Eltern zahlen für diese Kinderbetreuung einkommensabhängig, dies je nach gewünschtem Zeitfenster, «Modul» genannt. Bei neuen Schulhaus-Bauprojekten sollten diese Räumlichkeiten irgendwann in Zukunft in gemeindeeigenen Bauten untergebracht werden können.






Im Haus daneben hat der Verein «Perspektiven-Werkstatt Fürstenland» in Zusammenarbeit mit Gemeinden aus der Region einen Ort geschaffen, in welchem Kinder und Jugendliche bei lernhemmenden Problemen eine Auszeit nehmen können, um danach gestärkt wieder in den gewohnten Schulalltag zurückzukehren. Sie werden von einer Lehrperson und einer Fachperson «Sozialpädagogik» in einer angenehmen Lernumgebung in ihren Bedürfnissen unterstützt. Verschiedene Firmen aus der Region unterstützen diese Möglichkeit, neu Fuss zu fassen.




Sitzung des Jugendparlaments
Nach dem Spaziergang hin zum Oberstufenzentrum Schützengarten begann die eigentliche Parlaments-Tätigkeit. Auch ein Jugendparlament geht nach einer Traktandenliste vor. Wenn auch «Parlament» von «parlare» – plaudern – herrührt, wird da keineswegs nur palavert.



Mara Küng leitete die Sitzung so, wie wenn sie noch nie etwas anderes gemacht hätte. Am Laptop schrieb Andri Keller, Schüler an der Kanti Wil, Fachrichtung Bildnerisches Gestalten, konzentriert das Protokoll mit. Auf der Liste stand: «Geschäftsliste Kommunikation». Die Mitglieder hatten eine Bestandesaufnahme der vorhandenen Abfallbehälter in der Gemeinde gemacht. Im Raum Buchen beantragten sie der verantwortlichen Gemeindestelle, einen zusätzlichen Behälter beim Einlenker Hohrainstrasse-Flawilerstrasse aufzustellen. Leider geht das aus rechtlichen Gründen nicht. Einen Erfolg durfte das Parlament aber dennoch verbuchen. Auf der Wiesentalstrasse wird in der Nähe des Viadukts ein weiterer Behälter aufgestellt. Leider wird aber auch dort Zeug weggeworfen, wo gut sichtbar ein Behälter steht… Die Devise heisst «argumentieren und dranbleiben.
Anlässe für Jugendliche in der Gemeinde
Mara Küng berichtete, dass Kontakt mit dem Verein GLATT Events aus Niederglatt aufgenommen worden war. Die Jugendlichen hätten nämlich gerne ein Party-Angebot an der Chilbi. Die seit einiger Zeit stattfindende Party, organisiert von den Initiatoren aus Niederglatt, ist leider erst ab 18 Jahren zugänglich. Die Präsidentin warf die Frage auf, an welchen weiteren Anlässen sich das Jugendparlament auf Gemeindeboden beteiligen könnte. Am 1. August vielleicht? Oder am Maibaumfest des Männerchors? So richtig ergiebig war die Diskussion darüber nicht, aber man kann sich das ja auch gut für sich allein zuhause überlegen.
Das Thema «Grüezi-Kultur» in Oberuzwil wurde ebenfalls in die Runde geworfen. Die Parlaments-Mitglieder überlegten sich, wie man da am besten vorgehen könne. Vielleicht über die Schule? Wer ist da Ansprechperson? Und wann kann etwas organisiert werden? Die beteiligten Jugendlichen gehen entweder zur Schule oder sind in einer Lehre, da müsste unter der Woche ein Ferientag drangegeben werden.
Auf dem «Wunschzettel» steht auch eine Reise nach Bern, verbunden mit einer Führung durch das Bundeshaus. Mara Küng gab hier einen «Input» an Andri Keller, Ideen dazu in den gruppeneigenen Chat zu stellen. Bei so jungen Leuten muss bei solchen Anlässen immer auch das Finanzielle im Blick gehalten werden. Es soll jede und jeder im Parlament Mitglied werden können, da darf Geld keine einschränkende Rolle spielen. Von Gemeindeseite her ist dafür ein Budgetposten von Fr. 700.00 vorgesehen, vorbehältlich der Zustimmung der Bürgerversammlung.
Statuten als Rahmenvorgabe
Auch über die überarbeiteten, mit dem Schweizer Jugendparlament abgeglichenen Statuten wurde abgestimmt. Dabei wurde darauf geachtet, keine starren Vereins-Statuten festzusetzen, sondern einzig ein paar Grundregeln für einen sinnvollen Parlamentsbetrieb. Bei jedem Punkt wurde eifrig das Smartphone beigezogen. Ohne elektronische Vernetzung läuft in diesem Alter kaum etwas. Das Oberuzwiler Jugendparlament organisiert sich basisdemokratisch, arbeitet unabhängig von der Gemeinde, ist parteipolitisch und konfessionell neutral. Bei organisatorischen Herausforderungen wird es jedoch von der Gemeinde unterstützt. Für die Kommunikation nach aussen ist ein Instagram-Account vorgesehen. Bereits wurde Corinne Lenz dafür bestimmt. Sobald die Gemeindeverwaltung auch die eigene zielgruppenorientierte Kommunikation festgelegt hat, sollte diese Plattform auch für das Jugendparlament als «Kanal nach draussen» möglich werden.
Essen in geselliger Runde
Mit herrlich mundender Vegi-Lasagne – in reichlicher Menge von Mama Wagner vorbereitet und in den Ofen geschoben vom Wagner-Nachwuchs – wurde die für junge Leute doch reich befrachtete, aufschlussreiche Sitzung abgeschlossen.

Auf der linken Seite Corinne Lenz; Janik Niffeler; Timo Hengartner; Dominik Ackermann – oben am Tisch Andri Keller und Gemeinderat Fabio Wanger, rechts Rahel Wagner und Schulleiter Gallus Rieger. Es fehlt hier Mara Küng.
Ein gemeinsames Essen gehört in der Regel dazu. Hier lernt man sich näher kennen, kann sich austauschen oder einfach plaudern. Beziehungspflege ist für ein gutes Miteinander in einem Gremium unverzichtbar.