3. Konzert des Konzertzyklus Uzwil
Unter dem Titel «Klangfarben im Wandel der Zeit» bot der Konzertzyklus Uzwil mit dem «Aquarella-Quartett» im Pfarreiheim Niederuzwil erneut einen Ohrenschmaus an. Hanspeter Haltner, Kulturzyklus-Präsident, freute sich über den gut gefüllten Saal. Er versprach, dass dieses Konzert bestimmt allen gefallen werde.

Vier ausgewiesene Musikerpersönlichkeiten spielen seit dem Frühling 2025 im „Aquarella-Quartett“. Die Querflötistin Nadine Hörler ist eine grosse Verehrerin ihres Instruments, unterrichtet dieses an der Musikschule Herisau und gibt so die Freude an diesem Blasinstrument weiter. Robert Bokor stammt aus Belgrad. Seine Engagements rund um die Welt finden in den renommiertesten Orchestern statt. In Uzwil spielte er die Viola und dirigierte mit den Augen das Ensemble. Die Geigerin Pascale Krayenbühl arbeitet als Musiklehrerin an der Musikschule am Alten Rhein in Rheineck. Sie gibt nebst Geigenunterricht auch solchen auf der Viola. Und Maria Schweizer, in Lissabon geboren, ergänzt das Quartett mit dem Violoncello. Alle vier spielen auch im Orchester Musikfreunde St.Gallen mit.
Von Klassik bis Romantik
Das Programm schlug einen Bogen von der genau strukturierten, von antiken Idealen geprägten Harmonik der Klassik hin zur Romantik mit deren Einbezug von Emotionen und Natureindrücken in die Klangsprache der Kompositionen. Zwischen 1800 und 1830 lösten diese die seit ungefähr 1750 dauernde Klassik-Epoche ab.
Sorgfältige Progammzusammenstellung
Alle ausgewählten Werke sind durch freundschaftliche Beziehungen ihrer Komponisten miteinander verknüpft. Nadine Hörler verdeutlichte manche dieser Zusammenhänge mit kurzen Hinweisen. Den Anfang machte die Ouvertüre zur weltberühmten «Zauberflöte», für ein Flötenquartett von Franz Heinrich Ehrenfried (1747-1828) bearbeitet. Obwohl Mozart die Oper für ein grosses Orchester komponiert hatte, vermisste man auch in der kleinen Besetzung nichts. Das Quartett spielte mit grosser Hingabe und Virtuosität. Während die Querflöte meist über alle anderen Stimmen jubelnd und tirilierend auftrumpfen durfte, gaben die anderen drei Mitspielenden mit dem je eigenen Klang ihrer Streichinstrumente dem Ganzen Boden und Fülle.




Etwas zu den Komponisten der gespielten Werke
- Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
Mozartgehört bis heute zu den meistgespielten Komponisten aller Zeiten. Er war ein Wunderkind, begann bereits mit 5 Jahren zu komponieren und reiste mit seinem Vater Leopold Mozart, oft auch zusammen mit seiner Schwester «Nannerl» überall in Europa als Klaviervirtuose herum. Obwohl das Musikgenie nur 35 Jahre alt wurde, ist sein Werk dennoch mit 600-800 Kompositionen riesig, dies je nach Einbezug von Bearbeitungen, Wiederentdeckungen und Fragmenten.
Mozart äusserte sich seinem Vater gegenüber eher abschätzig über die Querflöte und schuf dennoch wunderbare Werke für dieses Instrument, so die «Zauberflöte» oder auch das im Konzert zu Gehör gebrachte Flötenquartett in D-Dur KV 285. Damit bekam die Querflöte ihren richtig grossen Auftritt. Nadine Hörler konnte hier alle «Register» ziehen, Töne lange aushalten, in den Melodien schwelgen, immer umschmeichelt von den Streichinstrumenten.
- Johann Christian Innocenz Bonaventura Cannabich (1731-1798)
Der Komponist und Flötist Christian Cannabich war ein berühmter Vertreter der Mannheimer Schule. Er gehörte auch zu den Vorreitern der Wiener Klassiker. Sein Vater war der Komponist und Flötist Matthias Cannabich. Cannabich unterstützte viele junge , vielversprechende Musiker, unterrichtete 1777/78 auch den jungen Mozart. Dieser wurde später umgekehrt Klavierlehrer von Cannabichs Tochter Rosine. Mozart schrieb seinem Vater einmal: «Ich kann nicht beschreiben, welch ein guter Freund Cannabich für mich ist». Das Aquarella-Quartett stellte dem Publikum das Cannabich-Quartett a-moll op. 1, Nr. 4 vor. Hier fielen akzentuierte Pausen und ein häufiger Wechsel eines Themas in allen Stimmen auf.
- Ferdinand Ries (1784-1838)
Cannabich unterstützte auch den Komponisten, Pianisten und Violonisten Ferdinand Ries – Sohn des Geigenvirtuosen und Kapellmeisters Franz Anton Ries, welcher in Bonn Beethovens Geigenlehrer gewesen. 1802 gab er ihm ein Empfehlungsschreiben für Andreas Streicher (1761-1833) mit, einem virtuosen Pianisten, welcher zusammen mit seiner Frau Nanette Streicher-Stein in Wien ausgezeichnete Klaviere baute. Das Paar war mit Beethoven gut bekannt.
1803 wurde Ries von Beethoven neben Carl Czerny als zweiter Klavierschüler aufgenommen. Cerny komponierte die berüchtigten Etüden, welche – wie man munkeln hört – vielen Generationen das Klavierstudium zum Verleiden brachten. Es ging nicht lange, bis Ries zum «Mädchen für alles» und später zu einem ausgezeichneten Biografen für den grossen Komponisten wurde.
In jungen Jahren hatte Ries in ständiger Angst gelebt, in den Militärdienst eingezogen zu werden. Deshalb hatte er auch immer wieder seinen Aufenthalt ändern müssen. Napoleon überzog damals gerade Europa mit seinen Feldzügen. Das Aquarello-Quartett hatte dessen Quartett Nr. 4 in d-moll WoO 35, 1 ins Programm aufgenommen. Der melancholische Charakter des Stücks scheint auch von diesen Erfahrungen geprägt zu sein.
- Franz (Peter) Schubert (1797-1828)
Das Schlussstück stammte von Franz Schubert, dem «Schwammerl», wie ihn seine Kollegen seiner kleinen Körpergrösse gerne nannten. Geboren in der Gemeinde Himmelpfortgrund – heute der 9. Wienerbezirk -, wurde seine Musik später für viele seiner Fans zu einem «himmlischen» Hörgenuss. Er war das 13. von zwanzig Kindern. Der Tod war allgegenwärtig, denn 11 dieser Kinder starben. Schubert war ein begabter Sängerknabe, was ihm später bei seinen vielen Liederkompositionen zugutekam. Er war ausserdem ein grosser Verehrer der Werke Mozarts. Obwohl er nur 31 Jahre alt wurde, hinterliess er ein riesiges Werk, darunter mehr als 600 Kunstlieder und über 1000 Instrumentalwerke. Er gilt als einer der wichtigsten Komponisten der Romantik. ausserhalb seines Freundeskreises wurde er allerdings erst nach seinem Tod richtig berühmt. Viele seiner Lieder sind heute Allgemeingut.
Romantisches Schlussstück
Mit dem Quartett g-moll D 408 von Franz Schubert – das D bedeutet «Deutsch-Verzeichnis» – schloss das Konzert. Ursprünglich als Violinsonate D 408 komponiert, wurde sie im 20. Jahrhundert vom amerikanischen Flötisten Robert Stallmann (1946-2019) für ein Flötenquartett bearbeitet. Hier hatte die Geige eine Art solistischen Einstieg, es bekamen aber alle Instrumente ihren gebührenden Platz. Die Flöte spielte sich in die Herzen, manchmal wurde ein Thema mehrmals wiederholt. Diese melancholische Musik berührte die Zuhörerschaft. Am Schluss getraute sie sich erst fast nicht, ihrer Freude mit kräftigem Applaus Ausdruck zu geben.
Das Ensemble war selbst nach dem anspruchsvollen Konzert noch in Stimmung für eine Zugabe. Mit «Libertà», einem Stück von Astor Piazzola, führte es das Publikum aus der romantischen Schlussstimmung wieder in die Gegenwart zurück. Vom Vorstand gab es Blumen für die Quartett-Mitglieder.

