Es spukte in der MZA Oberuzwil
Seit vielen Jahren stellt die Musikgesellschaft Bichwil-Oberuzwil– MGBO – ihre Abendunterhaltung anfangs Januar jeweils unter ein Motto. Diesmal stand der Abend ganz unter dem Einfluss der Geisterstunde. Eine Rahmenhandlung zeigte in Sketches zwischen den Musikstücken, wie es in der Geisterwelt so zugehen kann. Eine Lichterkette mit lauter kleinen Gespenstlein machte das Motto gleich zu Beginn des Abends sichtbar. Allerdings war das Wetter nicht gerade einladend an diesem Abend, schneebedeckte Strassen, rutschige Trottoirs, eisig kalt. Das hielt aber viele Musikfans trotz allem nicht von einem Besuch des Unterhaltungsabends ab. Und sie wurden nicht enttäuscht.
Musikalische Leckerbissen
Das Musikprogramm war gespickt mit bekannten Melodien, aber auch mit manchem Stück, welches das Motto unterstrich. Hier kann das ganze Programm heruntergeladen werden. Mit dem rassigen Marsch Textilaku von Karol Pádivý – auch «Trentschiner Musikantenmarsch» genannt – stimmte die Musikformation auf den Abend ein.

«Die beiden kleinen Finken», komponiert von Henry Kling und arrangiert von Walter Tuschla, mit den Solistinnen Christine Hollenstein und Flurina Näf wurden begeistert beklatscht. Schloss man die Augen, sah und hörte man tatsächlich auf einem Zweig zwei kleine Finklein zwitschern, auf dem Piccolo meisterhaft nachempfunden von den beiden Musikantinnen und vom ganzen Ensemble feinfühlig unterstützt.
«The Mystery of Atlantis» tönte genauso, wie das der Titel versprach. Geheimnisvoll, mit immer stärker werdendem Trommelwirbel, untermalt von flackerndem Licht und den klaren Klarinettentönen des Solisten Peter Weiss.

Zweiter Teil
Nach der Pause war ein Hit-Medley von Elvis Presley – The King – zu hören. Auch wenn der unvergessliche Sänger bereits im August 1977 – mit erst 42 Jahren – verstarb, so ist die Faszination für dessen Stimme bis heute nicht verstummt. Hier legte sich auch Dominik Eugster ins Zeug und liess sein bis heute wenig bekanntes Talent als Rocksänger aufblitzen. Im Stück «Air Poetique» konnte die MGBO nun ihr ganzes konzertantes Können zeigen.
Selina Weiss spielte auf berückende Weise die Horn-Soli, das Ensemble unter dem klaren Dirigat von Dominik Eugster meisterte auch die ganz feinen Töne.
Nach diesem eher besinnlichen Stück brachte die «The Crazy Charleston Era» der verrückten 1920er-Jahre nochmals richtig Schwung in die Party. Die beiden Gespenster tanzten dazu in ihren wenig tanztauglichen Schuhen mit wilden Sprüngen. «Ghostbusters» von Ray Parker Jr., die Titelmelodie des gleichnamigen Films unterstrich nochmals das Geistermotto. Dieses Video wurde bis 2025 mehr als 99 Millionen Mal aufgerufen. Und mit «Instant Concert» schloss der Programmteil.
United Betty-Players
Darauf warten immer viele im Publikum. Grosseltern freuen sich über ihre Enkelkinder, die schon derart fetzige Musik spielen können, Eltern sind stolz auf ihren Nachwuchs und Ensemble-Leiterin Regula Weiss begeistert vom Einsatz der jungen Musizierenden. Wie immer unterstützten auch diesmal einige Routiniers aus der «grossen» Musikgesellschaft. Die Formation war schon am Tonfenster des Männerchors Frohsinn vom 18. November aufgetreten und hatte bereits dort eine Zugabe ausser Programm gespielt, stürmisch verlangt vom damaligen Publikum.
Das war auch diesmal nicht anders. Patrick Arnold, Musiklehrer an der Musikschule Oberuzwil-Jonschwil, leistet mit seiner Arbeit einen grossen Beitrag zur Nachwuchsförderung . Regula Weiss macht es sichtlich Freude, mit den jungen, musikbegeisterten Kindern und Jugendlichen zu musizieren. Und so sprang auch diesmal der Funke schnell auf das Publikum über. «We Are Young» behaupteten sie nach der «Sky Splitter»-Fanfare. Jung sein, das macht ja gerade den Reiz dieses Ensembles aus. Auch «Mamma Mia» – unterdessen ein wahrer Ohrwurm – von ABBA gefiel.

Schliesslich vereinigten sich die Betti-Players mit dem gesamten Musikcorps und schmetterten «Ds Hippigschpängschtli», den Klassiker von Peter Reber, in den Saal. Mucksmäuschenstill hörte das Publikum zu. Mit riesigem Applaus wurden die jungen Künstlerinnen und Künstler verabschiedet.
«Tenü-Fez»
Den roten Uniformkittel sah man diesmal nicht auf der Bühne. Nur das Co-Präsidentenduo Rebekka Püntener-Silvan Loser begrüsste so die ankommenden Gäste im Foyer. Für sie war es erst der zweite Auftritt an der MGBO-Abendunterhaltung unter ihrer Präsidentschaft. Vor der Pause bestimmte das weisse Hemd mit der hübschen Krawatte das Erscheinungsbild. Nach der Pause dann das grosse Staunen! Neonfarbige Hüte und glitzernde Gilet-Einfassungen sowie farbenfrohe Rücken der Notenständer brachten Leichtigkeit auf die Bühne.
Langjähriger Dirigent
Seit 2012 führt Dominik Eugster als Dirigent die MGBO. Er hat in dieser Zeit unzählige Stunden damit verbracht, seinem Verein immer wieder neue Herausforderungen bereitzustellen. Das Ensemble besticht mit einem sehr ausgewogenen Instrumentalklang. Auch die Anzahl Mitglieder darf sich sehen lassen. Gegen 50 Männer und Frauen stehen auf dem Programmblatt. Man spürt es bei jedem Auftritt: Der MGBO- Dirigent geht gerne bis an die Grenzen des Möglichen, was von den Musizierenden viel an Aufmerksamkeit und technischem Können verlangt, aber auch eine grosse Befriedigung gibt. Bei jedem Anlass der Musikgesellschaft spürt man die grosse Verbundenheit von Musizierenden und dem Dirigenten. Das hört man auch dem Klang an.


Gespenster am Werk
Die Musikgesellschaft kann für ihren Unterhaltungsabend seit Jahren auf Mitglieder der Theatergruppe Bazenheid zählen. Das Drehbuch zu den Sketchs hatte einmal mehr Flurina Näf geschrieben, sie führte auch Regie. Diesmal spielten Monika Sutter und Manuela Winteler die zwei Herumgeisternden, während die Vereinsmitglieder Leo Widmer und Mara Huber für das Aufräumen der Noten auf dem Estrich zuständig waren. Vor allem Leo fand es zu Beginn eher etwas gruselig auf dem Dachboden. Doch Angst! Ach nein, die hatte er nicht, bis tatsächlich so ein Geist auftauchte… Die engelhafte Geisterfrau hatte sich irgendwann unsterblich in den hübschen Leo verliebt. Nun suchte sie alles, um seine Aufmerksamkeit zu erlangen. Sie legte Herzchen, später ein Föteli mit ihrem Gesicht auf sein Notenpult. Doch da gab es unzählige Hürden. Geister sind ja eigentlich unsichtbar, wie soll da eine Liebe entstehen? Doch in jedem Märchen – so auch hier – ist ein Happyend vorgesehen. Aufatmend konnte die verliebte Geisterfrau ihren Angebeteten am Schluss umarmen, ja gar küssen…





Mitternachts-Einlage
Für alle Nachtschwärmer gibt es jeweils eine von Christine Hollenstein ausgeheckte Mitternachts-Überraschung. Diesmal störten ein paar Gespenster verschiedenster Grösse frech das hochkarätige Holzbläserquartett, welches die «Kleine Nachtmusik» von W.A. Mozart für alle kleinen Nachtgeister aufführen wollte. Auf verschiedene Weise versuchten die Musizierenden die Eindringlinge zu verscheuchen, vorerst ohne Erfolg. Erst ihr letzter Versuch zur Vertreibung gelang, als sie mit Kazoos – Maultrommeln – die Kleine Nachtmusik vortrugen. Man muss sich nur zu helfen wissen!




65 Jahre Mitglied
Es ist bestimmt nicht verwegen, wenn man schreibt, dass 65 Jahre Vereinsmitgliedschaft ziemlich aussergewöhnlich ist. Doch Karl Rüst gefällt es tatsächlich seit so vielen Jahren in «seiner» Musikgesellschaft. Er wurde denn auch vom Co-Präsidium Püntener-Loser mit herzlichen Worten bedacht. Das Publikum hatte ihm schon den ganzen Abend auf seinem Platz an der Perkussion zuschauen können und ihn strahlen sehen. Man könnte bald sagen: «Alle Jahre wieder…», denn er wurde schon unzählige Male geehrt. Nun darf er sich «Kantonaler Ehrenveteran» nennen». Christine Hollenstein ist seit 35 Jahren ein sicherer Wert im Verein. Ihr neuer Titel nun: «Eidgenössische Veteranin». Und Pirmin Staubli – Sprücheklopfer des Vereins, wie man vernehmen konnte – spielt trotz seines jugendlichen Erscheinungsbildes bereits 15 Jahre im Ensemble. Nun darf er sich stolz als «Ehrenmitglied» präsentieren.



An den Schalthebeln der Technik betätigten sich Martin Gehrig, Dani Wildhaber und Luca Huber. Ihre Lichteffekte erhöhten den Reiz der Gruselszenen erheblich. Für die Dekoration der Tische – natürlich kleine Gespenster! – waren Mara Huber und Michelle Meyer zuständig.

An den Schalthebeln der Technik betätigten sich Martin Gehrig, Dani Wildhaber und Luca Huber. Ihre Lichteffekte erhöhten den Reiz der Gruselszenen erheblich. Für die Dekoration der Tische – natürlich kleine Gespenster! – waren Mara Huber und Michelle Meyer zuständig.
Tombola
Schon beim Eintreten ins Foyer fiel die reichbestückte Tombola auf. Das braucht immer viel Zeit und Geschick, damit so ein Gabentempel gefüllt werden kann. Auf der Liste der Sponsoren stehen fast 80 Geschäfte und Firmen, welche die Tombola bedacht haben. Die Losverkäuferinnen und Verkäufer hatten wenig Mühe, diese kleinen Papierchen auch unter die Leute zu bringen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie gewisse Leute einfach in die Loskiste langen und mit wenig Losen eine ganze Anzahl Treffer herauspicken können. Es muss irgendwie an den Genen liegen, denn es sind oft die Gleichen, die Jahr für Jahr Glück haben. Doch man mag es allen gönnen, denn das Geld vom Losverkauf kommt ja dem Verein zugute, der seinerseits damit wieder neue Programme aushecken kann. Die Noten für diese Abende werden zudem samt und sonders von Einzelpersonen oder Familien gesponsert.

Küche
In der Küche wirkten die Senioren des Turnvereins STV Bichwil. Zuständig für die ganze Festwirtschaft war Alex Lenz, Tenor-Saxofonist in der MGBO. Die Männer mussten sich richtig ins Zeug legen, denn die vielen Besucher und Besucherinnen bestellten eifrig Fitnessteller oder auch heisse Wienerli. Und auch hier half das Bestell-Regime per Smartphone für einen reibungslosen Service. Man erschrak manchmal direkt, denn kaum hatte man die Bestellung aufgegeben, schon stand das Getränk auf dem Tisch. Im Service waren Mitglieder der Harmoniemusik Flawil tätig. Und natürlich waren auch Mitglieder des Gastgebervereins fleissig im Einsatz.


Ein Hoch auf das Vereinswesen
Dieser Abend zeigte einmal mehr, wie Vereine zum Zusammenhalt der Gesellschaft beitragen. Diesmal durfte die MGBO auf Mithilfe von befreundeten Nachbarsvereinen zählen. Umgekehrt sind auch sie dabei, wenn ein anderer Verein Unterstützung braucht. In Oberuzwil ist das Vereinswesen bis heute grossgeschrieben. Natürlich nimmt auch hier die Bereitschaft ab, sich für das Gemeinwohl einzusetzen. Und doch staunt man immer wieder, was im Dorf auf die Beine gestellt werden kann, weil sich immer wieder Leute für eine gute Sache einspannen lassen. Anders würde die Gesellschaft auseinanderbrechen.
Vorschau
Auch dieses Jahr hat Stefan Bösch beide Aufführungen in verdankenswerter Weise als Fotograf begleitet und einige Bilder dafür zur Verfügung gestellt.