Energiegeladene Sommerserenade 2026
Wenn die Gemeinde Oberuzwil am letzten Donnerstag vor Sommerferienschluss zur Sommerserenade einlädt, weiss man im Dorf, dass in der darauffolgende Woche der Ernst des Lebens neu beginnt. Seit 2004 gibt es dieses Angebot, vom ehemaligen Gemeinderat Hansjürg Näf angestossen. Für die Schulkinder sind die Sommerferien fast vorbei, auch viele Erwachsene haben in den vergangenen – heissen – Wochen ihre Ferien für Reisen oder ein Durchschnaufen zuhause genutzt. Bald genug beginnt nun wieder der Alltag, ein Anlass also, um nochmals richtig entspannt einfach zu geniessen.
Grosses Interesse
Man hat den Eindruck, dass Jahr für Jahr mehr Stühle auf den Innenhof des OZ Schützengarten gestellt werden müssen. Dazu braucht es immer noch ganz viele Bänklein, um allen Interessierten einen Sitzplatz zu ermöglichen. Vom kleinsten «Stöpsel» – samt Nuggi im Mund – bis hin zu fast hundert Jahre alten Menschen treffen sich hier Generationen auf dem Platz.
Dieses Jahr besuchten rund 250 Personen einen von Energie und Freude an Musik und Gesang durchzogenen Abend. Der Regenradar hatte glücklicherweise nicht Recht, denn um 20:00 gab es keinen Regenschauer, im Gegenteil… In der Nacht wäre dieses Nass aber absolut willkommen gewesen. Die Wolken jagten zwar über den Himmel, verdunkelten sich auch hie und da – aber es blieb bei einem lauen Sommerabend. Martina Enderlin sagte es treffend : «Einfach nicht auf den Regenradar schauen…»





Gemeinderätin Kathrin Germann-Alder ist Präsidentin der Kulturkommission der Gemeinde Oberuzwil. Ihr fiel die ehrenvolle Arbeit zu, das grosse Publikum und die Musikerinnen herzlich willkommen zu heissen und am Schluss ihren herzlichsten Dank auszusprechen.
Enderlin-Chicks aus Bühler AR
Von der Kulturkommission unter Leitung von Gemeinderätin Kathrin Germann-Alder engagiert, begeisterten die zwei singenden Schwestern Martina und Lucky Enderlin zusammen mit der Geigenvirtuosin Eva Wey und der ausgezeichneten Bassistin Madlaina Küng das Oberuzwiler Publikum während gut eineinhalb Stunden. Im Appenzellerland ist das Singen noch immer hoch im Kurs, besonders im Hinterland – Urnäsch und umgebende Gemeinden -, was aber auch die Enderlin-Damen im appenzellischen Bühler – Mittelland – als Kinder bereits erlebten. In diesem Kanton – wie auch überall rund um den Säntis – hat das Jodeln und «Zäuerle» Tradition. Beide absolvierten eine solide Ausbildung und erweiterten dabei ihren musikalischen Horizont. Doch nebst der traditionellen Volksmusik hiesigen Zuschnitts begeistern sich die Schwestern auch für irische sowie für Country-Musik, schreiben eigene Lieder im Appenzeller Dialekt und verzücken damit ihr Publikum. Und sollte jemand diesen Dialekt nicht verstehen, so kann er oder sie einfach die Klangfarbe der Musik geniessen und sich dabei eigenen Gedanken hingeben.
Eigenwillige Titel
Schon mit dem Einstieg mit den Lied «Herzklopfen» zeigte das Quartett, dass Lebensfreude zu seinem Motto gehört. Das Lied Geborä zom lebä, mit Maulorgel, Geige und Bass begleitet, war eine Art Ausflug ins Philosophische, wie man es sich gerne gefallen lässt. Die Liebe scheint die Schwestern zu inspirieren, denn manche ihrer Lieder handelten in unterschiedlicher Weise von diesem beflügelnden Gefühl, so etwa «I wott zo der i d’Arme cho». Aber auch das Thema Loslassen – «Los alles los, wa der nomme passt» – wird thematisiert. Auch ein brandneuer Titel – Filmen noch verboten!!! – wurde vorgestellt. Hier wurde das «Fiire» gefeiert! Ja, die Schwestern können auf den Putz hauen! Ab 28. August 2026 kann man die Single auf Podcast-Plattformen herunterladen. Noch ist alles aber «top-secret» – also geheim.
Geigerin Eva Wey

Die Violonistin Eva Wey spielt in ganz unterschiedlichen Formationen mit ganz unterschiedlicher musikalischer Ausrichtung. Bei Auftritten mit den Enderlin-Chicks setzt sie mit ihrem virtuosen Geigenspiel Akzente, die wunderbar zu den Stimmen der beiden Schwestern passen.
Gerade hat sie auf der Seeburgbühne Kreuzlingen als musikalische Leiterin begeistert. Sie ist aber auch mit Volksmusik mit dem Trio Alpine Folk Music unterwegs, mit irischer Musik – sie hat auch eine Ausbildung als «Fiddlerin» -, liebt Jazz… Zudem bringt sie als Musikpädagogin Kindern und interessierten Erwachsenen das Geigenspiel näher. Eine vielseitige Künstlerin, die dem musikalischen Auftritt der Enderlin-Schwestern zusätzlichen Glanz verleiht.
Madleina Küng
Ihre Biografie verrät, wie sehr Musik ihr Leben bestimmt. Die auf verschiedenen musikalischen Bühnen «tanzende» Musikerin tritt genau wie Eva Wey in den unterschiedlichsten Formationen auf, dies auch ausserhalb der Schweizer Grenzen. Schon von klein auf war Musik in ihrer Familie ein wichtiger Mittelpunkt. Hier kann ihre Kindheitsgeschichte nachgehört werden.
Mit ihrem riesigen Instrument bildet sie das Klangfundament des Quartetts. Sie ist auch für den groovigen, stampfenden Sound gerade der Country-Musik zuständig. Das war sehr gut im Stück «Borrow My Heart» zu erleben.

Auch Appenzellerklänge
Nach der Apéro-Pause boten die zwei Frauen ein Zäuerli, ein «Lied ganz ohne Worte». Das Publikum hörte andächtig zu. Bass und Geige unterstützten da nur ganz dezent, sodass man die schönen, klangvollen Stimmen der Frauen richtig geniessen konnte.
Mama Enderlin sass auch im Publikum. Einmal wurde sie von Tochter Martina angesprochen, stand auf und drückte ihren Stolz auf ihre Töchter auf humorvolle Weise aus. Sie machte damit allen klar, woher die zwei Schwestern ihre ansteckende Energie und Lebensfreude haben.

Eigenes Programm
Es ist immer wieder ganz herzig, zu sehen, wie sich gerade kleine Kinder ihr eigenes Programm machen. Während die Eltern – mehrere junge Väter waren im Hintergrund vor Ort – entspannt die Musik genossen, benutzten ein Schwesterchen mit seinem kleinen Brüderchen samt Nuggi die Gelegenheit, das Gelände und das Publikum zu erkunden. Immer wieder umrundeten sie die Stuhlreihen. Beim Büblein war jedes Mal ein wenig Angst dabei – fast wie bei «Dinner for one» -, der Kleine könnte einmal über die Kabel stolpern. Doch dieser hatte die Füsse im Griff, konnte sogar rückwärts schauen und doch unbehelligt weitergehen. Wie wohltuend, dass solch kleine Eigenwilligkeiten an so einem Abend ebenfalls Platz haben.
Fleissige Helferhände im Hintergrund
Der Schulhausplatz eignet sich ausgezeichnet für einen derartigen Anlass. Schon vor Programmbeginn sah man Personen aus der Gemeindeverwaltung und dem Gemeinderat Vorbereitungen für den Apéro treffen. Ein solche Anlass ist ja immer auch ein Treffpunkt, an welchem man sich ungezwungen austauschen kann. Getränke und feine Brötchen aus einer hiesigen Bäckerei waren denn auch diesmal sehr beliebt. Leicht war es diesmal allerdings nicht, bis zu den Apéro-Tischen vorzudringen, wenn man etwas später hinzukam. Der Grossandrang zeigte, wie sehr diese Serenade unterdessen als Tradition empfunden wird. Ohne die Arbeit verschiedener mit der Gemeinde verbundener Personen könnte ein derartiger Anlass aber niemals durchgeführt werden. Sie tragen zu einem Gemeinschaftserlebnis bei, welches das dörfliche Zusammenleben stärkt. Wie gut, dass es immer genügend Menschen gibt, die sich für die Allgemeinheit ehrenamtlich einbringen.


